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Francisco José de Goya y Lucientes [antikvár]

Ulrike Krenzlin

 
Francisco Goya war cin Künstler, der seine Zeit bewufít erlebte und in besondcrcm Mafie an ihren Widersprüchen litt. Als die Ereignisse der Französischen Revolution ganz Európa erschiitterten, hatte er gerade seine künstlerische Reife erlangt. In einem langen Leben hat dieser bis ins hohe Altér hinein ungeduldige und leidenschaftliche Mann ein an tiefer Kenntnis des Menschlichen und an Sinnenfreude reiches Werk geschaffen, wobei er zunáchst noch lange dem Rokokogeschmack der spanischen Aristokratie huldigte, bis er sich in Schüben von...
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Francisco Goya war cin Künstler, der seine Zeit bewufít erlebte und in besondcrcm Mafie an ihren Widersprüchen litt. Als die Ereignisse der Französischen Revolution ganz Európa erschiitterten, hatte er gerade seine künstlerische Reife erlangt. In einem langen Leben hat dieser bis ins hohe Altér hinein ungeduldige und leidenschaftliche Mann ein an tiefer Kenntnis des Menschlichen und an Sinnenfreude reiches Werk geschaffen, wobei er zunáchst noch lange dem Rokokogeschmack der spanischen Aristokratie huldigte, bis er sich in Schüben von traditionellen Übereinkünften löste und mit zunehmend unerschrockenem Sarkasmus, Ironie und Spott die menschlichen Sclnváchen seiner Zeit bloftstellte. Es ist ein Werk, in dem sich Sachlichkeit mit einer ungewöhnlich starken künstlerischen Phantasie verbindet, das aber erst verháltnismáfiig spát die verdiente Wertschátzung erfahren hat. Zunáchst begann man, vor etwa ioo Jahren, die Gemálde Govas zu schátzen und in ihnen Leistungen zu würdigen, die denen der álteren spanischen Meister, eines Murillo oder Velázquez, ebenbürtig sind. Um 1900 wurde dann auch der künstlerische Rang von Goyas Graphik erkannt, die einen Höhepunkt in der europáischen Kunstgeschichte darstellt. Bereits die früheren, noch vom Rokoko her bestimmten Werke würden Goya einen Platz unter den groften Meistern der Kunstgeschichte sichern. Doch der Künstler, dessen Ausdruckskraft gerade auf unsere Gegenwart eine so starke, unvermittelte Ausstrahlung hat, war der spátere Goya, der Meister der Radierfolgen und der Arbeitsdarstellungen, der unerbittlich entlarvende Portrátist und scharfe Kritiker an den gesellschaftlichen Mifistánden seiner Zeit, der in sich widerspruchsvolle Künstler, der als Hofmaler eines fortschrittsfeindlichen Königtums höchste Ehren genoG und doch seine schöpferische Intensitát aus einem leidenschaftlichen Engagement für den gesellschaftlichen Fortschritt zog. Goya war ein Mann aus dem Volke. In einer der ármsten und unfruchtbarsten Gegenden im Nordosten Spaniens, der Provinz Aragonien, wurde er im Dorfe Fuendetodos 1746 geboren. In Zaragoza, wo sein Vater eine kleine Vergolderwerkstatt führte, ging er zur Schule und besuchte ab 1759'60 die Lehre bei dem Maler Jósé Luzán y Martinez. Dieser Meister, aus dessen Werkstatt spáter die Akademie San Luis hervorgegangen ist, bildete mit seiner Schule das wichtigste Zentrum der spátbarocken Kirchenmalerei Aragoniens. Der derbe, kráftige Realismus dieser Lokalschule blieb nicht ohne EinfluB auf Goya. Hier in Zaragoza hat er auch den Juristen Martin Zapater kennengelernt, der sein treuester Freund werden sollte. Der von 1775 bis 1801 geführte Briefwechsel zwischen den beiden ist heute die Hauptquelle für unsere Kenntnis der Person des Künstlers und aller seiner Probleme. Im Jahre 1763 bewarb sich Goya in Madrid, zunáchst erfolglos, um ein Stipendium an der Academia de San Fernando. Er verliefí Zaragoza 1766 und ging nach Madrid in die Werkstatt von Francisco Bayeu, mit dem er zusammen in Zaragoza gelernt hatte. Gemeinsam mit ihm übernahm er 1771/72 seinen ersten bedeutenden Auftrag, die Ausmalung des Chorgewölbes in einer Kapelle der Kathedrale Virgen del Pilar seiner Heimatstadt Zaragoza. Fast zehn Jahre spáter setzte er diese Arbeiten fort, doch die Meinungsverschiedenheiten in künstlerischen Fragen zwischen ihm und Bayeu, der das Projekt leitete, vertieften sich unüberbrückbar. Bayeu verlangte neue Entwürfe, Goya unterlag in dem Streit und muftte schlieBlich 1781 die Arbeit an den Fresken aufgeben. Hier zeigt sich, wie er schon damals mit dem akademischen Formenzwang der barocken Deckenmalerei brach; im Experimentieren mit kühnen Verkürzungen, in der Bevorzugung kráftiger Licht-Schatten-Kontraste und leuchtender Farben und im Betonen des Emotionalen bei der inhaltlichen Deutung einer Szene gelangte er bereits als junger Maler zu einer unmittelbaren, realistischen Ausdrucksform. 1771 verliefi Goya Spanien das erste Mai, wie es heifit, um der Polizei wegen einer Messerstecherei zu entgehen. Er reiste nach Italien, wo wir von einem ersten Historienbild hören, für das er anlálMich eines Wettbewerbs der Akademie von Parma den zweiten Preis erhielt. Danach ging er zurück nach Zaragoza und arbeitete dort selbstándig. Die Wandmalereien mit Szenen aus dem Leben Mariá für die Kirche des Kartáuserklosters Aula Dei, die er 1774 in kürzester Zeit in Öl auf dunklem Grund gemalt hat, sind seine erste grofie Leistung. Die Szenen verraten Freude am Erzáhlen und wirken unerhört lebendig, als hátte Goya das Geschehen selbst beobachtet. Sie wirken lcicht verstándlich und sind dennoch erhaben. Die Stofflichkeit der Dinge wird dem Betrachter mit flüchtigen, sparsamen Mitteln suggeriert. Es gibt keine Detailtreue. Mit diesem Werk, in dem er sich die besten spanischen Traditionen zu eigen machte, hatte Goya seine unverwechselbare künstlerische Sprache gefunden, mit der er sich künftig durch tiefes Eindringen in die Wirklichkeit und deren Verallgemeinerung sowie Überhöhung auf die Suche nach dem Eigentlichen, dem Wesentlichen, dem Kern der Dinge begab. Noch leichter gelangen ihm spáter 1798 99 die Fresken für die Kapelle San Antonio de la Florida. Seine inzwischen gewonnenen Erfahrungen verbanden sich hier mit souveráner Meisterschaft der Technik, die der barocken Wandmalerei letzte Möglichkeiten abverlangt. Sicher ist es kein Zufall, dafi dem Maler, obwohl er sich nie vom Katholizismus gelöst hat, die religiöse Maierei nicht besonders lag. Grofíen Einflufi auf seine schwankende Haltung in Fragen des katholischen Glaubens hatten die Ereignisse der Fran-

Termékadatok

Cím: Francisco José de Goya y Lucientes [antikvár]
Szerző: Ulrike Krenzlin
Kiadó: VEB E. A. Seemann Verlag
Kötés: Tűzött kötés
Méret: 240 mm x 330 mm
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