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Friedrich Dürrenmatt, 1921 als Sohn eines evangelischen Pfarrers in der Náhe von Bern geboren, heute einer der bekanntesten Dramatiker der Welt, hat seine Laufbahn als Stückeschreiber 1947 mit einem Theaterskandal im Schauspielhaus Zürich be-gonnen.
„Es steht geschrieben" - mit diesem Titel war die von Luther übertragene Bibel gemeint, auf die sich im 16. Jahrhundert die Wiedertáufer in Münster beriefen, als sie die evangelische Lehre kompromifílos verwirklichen wollten - und scheiterten. Seitdem hat Dürrenmatt oft zu hören bekommen, er sei „ketzerisch" und „blasphemisch"; und in der Tat: nichts ist ihm „heilig". Immer wieder verletzt er ein Tabu seiner Gesellschaft; immer sucht er das Árgernis - in seinen Dramen (u. a.: 1949, „Romulus der Grofíe"; 1953, „Ein Engel kommt nach Babylon"; 1956, „Der Be-such der altén Dame"; 1959, „Frank der Fünfte"; 1962, „Die Physiker"; 1966, „Der Meteor"); in seinen Hörspielen (u. a.: 1951, „Der Prozeö um des Esels Schatten"; 1952, „Stranitzky und der Nationalheld"; 1959, „Herkules und der Stall des Augias"; 1956, „Abendstunde im Spátherbst"); in seinen Prosa-werken (u. a.: 1950, „Der Richter und sein Henker"; 1951, „Der Verdacht", „Der Tunnel"; 1956, „Die Panne"; 1957, „Das Ver-sprechen").
1967, genau zwanzig Jahre nach der Uraufführung, hat Dürrenmatt sein erstes Stück in neuer Fassung (mit dem Titel „Die Wiedertáufer") wieder auf die Bühne gebracht; es endet mit einer Frage, die das ganze Leben und Werk dieses Autors charak-terisiert: „Diese unmenschliche Welt mufi menschlicher werden. Aber wie? Aber wie?" Das weifi Dürrenmatt heute so wenig wie vor mehr als zwanzig Janren. Er ist jedoch nicht müde gewor-den, die Frage zu wiederholen und sich und uns in ihrem Namen immer wieder aufzurütteln - damit wir über die Antwort nach-denken.