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WAS UNS AN FRANKREICH LOCKT
Worin liegt der geheimnisvolle Reiz, den Frankreich gerade auf uns, seine Nachbarn, ausübt? Ist es die Mischung von Charme und Großzügigkeit, oder sind es die vielen Sehenswürdigkeiten, die vielgestaltigen und oft pittoresken Landschaftsbilder? Verlocken uns die Loblieder auf die französischen Frauen, auf den Esprit, den Wein, das Essen, das savoir vivre? Wahrscheinlich besteht der Reiz einer solchen Reise darin, daß Frankreich ein Land ist, in dem jeder Ferien vom Ich machen kann, Ferien von alldem, was im eigenen Land Ärger erregt, während es in Frankreich gutwillig übersehen wird. In Frankreich lebt man ohne Hast und Übereifer, aus einer inneren Gelassenheit heraus. Man ist Individualist und tut, was einem gefällt. Jeder Mensdi hat dort das Recht, sich so zu geben, wie er ist. Man zwingt niemanden, sich nach einem Beispiel zu formen. Dies allein schon ist verführerisch, und so begibt sich mancher Nord-und Mitteleuropäer nach Paris, um seinen Hemmungen und Komplexen einen kleinen Erholungsurlaub zu gönnen. Paris aber ist viel mehr als ein Paradies verhinderter Schwerenöter. Man versteht dort unter »Freiheit« eine Lebensart, die von jeher zahlreiche Künstler anzog, weil diese sich von den Fesseln akademischer Formeln frei machen wollten. Der Begriff der Freiheit wird von den Franzosen — und erst recht von den Parisern — eben sehr weit und großzügig aufgefaßt. Gerade dieser Freiheitsdrang hat Paris nicht nur zu einer Weltmetropole des Vergnügens, sondern vor allem zu einem Weltzentrum des kulturellen Lebens gemacht. Wenn auch Paris nicht Frankreich ist, so bleibt es als Hauptstadt doch das Symbol der nicht nur glücklichen geschichtlichen Vergangenheit, in der es als Residenz zentralistisch denkender und handelnder Könige ein Staat im Staate wurde. Nicht zu Unrecht sagt man, daß Frankreich aus dem Gegensatz zwisdien Paris und den Provinzen lebe.
Die Franzosen selbst nennen ihr Land: la douce France. Wörtlich übersetzt heißt dies »das süße Frankreich«. Richtiger und treffender aber übersetzt man das Beiwort mit sanft oder lieblich. Der Bogen der landsdiaftliciien Schönheiten ist weit gespannt. Er reicht vom Badestrand der Côte d'Azur und dem Zauber der Provence bis zur erhabenen Bergwelt der Alpen, des Haute-Savoie, von der schroffen Atlantikküste zum Tal der Loire, von den saftigen Weiden der Normandie zur Ile-de-France, den Weinbergen Burgunds und den dunklen Wäldern der Vogesen.
Aber auch Schlösser, Museen, Galerien und Ausstellungen findet