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I. SCHWAMMERL" ODER KANNEWAS"? Er, der so gern wie ein guter kleiner Bürger aussah und sich auch so benahm, war im Grund ein leichtsinniger Bohemien, ein rechter Hans Guckindieluft . . . Wozu aber waren Freunde da . . . ?" Das war noch 1928 in einem Schubert-Gedenkartikel einer Gewerkschaftszeitung zu lesen, die sich an deutsche Arbeiter wendete. Hundert Jahre nach dem Tode des grófién Musikers war das Bild am meisten verbreitet, das ihn als weinseligen, ewig verliebten, nicht ganz ohne eigene Schuld bedauerlich armen, aber trotzdem gemütlichen Wiener darstellte. Schubert teilte diese Verzeichnung seines Lebensbildes mit den anderen grófién Meistern der Tonkunst. Sie war beabsichtigt. Mit ihr wollte die kapitalistische Geistesverbildung des 19. Jahrhunderts die Menschen glauben machen, dafi die Künste ein von der politisch-ökonomischen Entwicklung der Menschheit unabhángiges Dasein führten. Man konnte zwar nicht leugnen, dafi Dichter wie Swift, Voltaire und Beaumarchais, Lessing und der junge Schiller, Maler und Zeichner wie Goya oder Daumier durch die kritische Betrachtung ihrer Epochen den herrschenden Klassen, der Kirche und dem Staat grófién Schaden zugefügt hatten, stellte aber die Behauptung auf, dafi die Musik mit Politik nichts zu tun habe. Man sagte: die Musik ist materiell nicht greifbar; sie ist nur den Sinnen zugánglich. Darum mufiten alle ihre Schöpfer zu harmlosen, weltabgewandten Biedermánnern herabgewürdigt werden. Diesem Schicksal entging kaum einer. Haydn, der die Musik durch die Form der klassischen Symphonie und des Streichquartettes aus der Welt höfiseher Unterhaltungsmusik herausgeführt und zu einem wesentlichen Ausdrucksmittel des fortschrittlichen Bürgertums seines Jahrhunderts gemacht hatte, wurde um eines zártlich-Iiebevollen Mozartwortes willen in der Sprache des Spiefibürgers zum harmlosen, zopfigen ,,Papa Haydn". Mozart, der wegen seines aufrührerischen Verhaltens aus dem Fürstendienst gejagt worden war und in seinen Opern Figaros Hoehzeit", Don Giovanni" und Cosi fan tutte" ein unverhülltes Sittenbild der zügellosen und gewalttátigen Feudalklasse gezeichnet hatte, erschien