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^n ^Jnvergeßlicher
»Warum dir? Warum dir? Warum dir?« Dem guten Bruder Masseo sprudelt es nur so heraus, wie er nun endlich von seinem Ordensvater wissen will, was denn die Leute so Besonderes an ihm finden. Dieser bleibt allerdings sehr ruhig und will nur wissen, was denn der Grund sei für diese dringliche Anfrage. »Ich meinen, sagt da der Aufgebrachte, »warum alle Welt dir nachläuft, und jedermann dich zu sehen verlangt, auf dich hört und dir gehorcht. Du bist nicht schön von Angesicht, du bist nicht reich an Weisheit, noch von edler Abkunft, wie kommt es also, daß alle Welt dir nachläuft?«
Das war vor nahezu acht Jahrhunderten. Und schon damals hätte sich Bruder Masseo seine Aufregung sparen können. Es gibt nun einmal Menschen, die so sehr den mehr oder weniger tief sitzenden Sehnsüchten ihrer Zeitgenossen entsprechen, daß sie sich der Nachfrage kaum erwehren können. Wenn diese Nachfrage freilich durch die Jahrhunderte anhält, dann ist das mit dem üblichen Starrummel nicht mehr zu erklären. Dann ist da noch etwas im Spiel, was alle Moden des Geistes und des Geschmacks überdauert, weil es mit dem Menschsein selber gegeben ist: der Traum vom neuen Menschen. In Franz von Assisi (1182-1226) ist dieser Traum in Erfüllung gegangen. In ihm und seinem Leben ist sichtbar geworden, wie ein ganz normaler Mensch so vor Gott und in der Welt stehen kann, daß er wie ein Gegenentwurf zu dem wirkt, was wir an Standards des Menschseins kennen. Wenn es nämlich auch nicht falsch ist, den kleinen Armen von Assisi als ein religiöses Genie zu sehen, dann ist es doch entscheidend, diese Genialität nicht in bestimmten Begabungsbereichen zu suchen, sondern allein in der Radikalität und Konsequenz seiner Hingabe an Gott. »In der europäischen Geistesgeschichte wird Franz von Assisi wegen der Lauterkeit seines Herzens und seiner allumfassenden Liebe von Christen wie Atheisten, von Skeptikern und Agnostikern, von Humanisten und Mystikern, von Dichtern und Künstlern als Idealgestalt höchsten Menschentums gewürdigt.« (Xaver Schnieper)
Natürlich gibt es Christen wie Atheisten, Skeptiker und Agnostiker, Humanisten und Mystiker, Dichter und Künstler, die von Franz von Assisi wenig bis nichts halten, ja ihn nicht einmal kennen. Man muß das sagen, weil sonst die Vorstellung aufkommen könnte, der HeUige des hohen Mittelalters sei so etwas wie der unwiderstehliche Herzensbrecher vom Dienst. Das ist er genau so wenig wie sein Herr und Meister, dessen »Fußspuren zu folgen« er zu seinem Lebensinhalt machte. Wie dieser aber, so ist auch Franz von Assisi einer, den man nicht mehr vergessen kann, wenn man ihm einmal wirklich begegnet ist. Unvergleichlich und unvergeßlich Ein kurzer Blick auf sein Leben zeigt schon, wie vieles da einen neuen Weg gegangen ist.
Da ist zunächst einmal die unbeschwerte Jugend des Sohnes von Pietro und Picca Bernardone. Ihm fehlt es weder an Witz noch Geld, um in seinem Heimatstädtchen Assisi die Rolle eines Jugendkönigs zu spielen. Man weiß ja, wie das ist, wenn einer den Ton angibt und alle ihn ganz großartig finden. Da ist dann mit Bescheidenheit und selbstkritischer Haltung nicht viel drin. Wenn er deshalb später im Rückblick findet, daß dies die Zeit gewesen sei, »als ich noch in Sünden war«, dann wahrscheinlich nur deshalb, weU sich damals alles noch um das liebe kleine Ich drehte.
Dann kommt die Gefangenschaft in Perugia von 1202-1203. Mit ihr beginnt die siebenjährige Bekehrungsgeschichte, an deren Ende der neue Mensch Franziskus geboren ist. Dieser Lebensabschnitt ist voller Hinweise auf den inneren Umbau, der sich vollziehen muß, bis daß aus der kleinen Raupe Nimmersatt der Schmetterling geworden ist: Verunsicherung und Distanz zum Bisherigen; Verstellung der Fluchtwege auf dem Kriegszug nach Apulien, der schon in Spoleto zu Ende ist; Umwertung aller Werte in der Begegnung mit dem Aussätzigen; neue Aufgaben nach dem Gebet in San Damiano; Abbruch aller Brücken im Venicht auf das väterliche Erbe; und schließlich letzte Klarheit über den weiteren Weg beim Anhören des Evangeliums von der Aussendung der Jünger am 24. Februar 1209 in Portiuncula.
Inhaltsverzeichnis
Ein Unvergeßlicher ^
(Justin Lang) 1- 2
Gestalt
Francesco Bernardone 3- 8
Die Stadt des Heiligen 9-13
Die Zeit des Umbruchs 14-17
Botschaft
Die Armut 18-19
Universale Brüderlichkeit 20-21
Freude 22-23
Ein Leben in Buße 24-25
Ganz katholisch 2^-27
Wirkungsgeschichte
Der Orden
28-31
Schwestern und Brüder
in der ganzen Welt 32-36
Die Heiligen 37
Schwerpunkte franziskanischer Sendung 38-41
Zeugnisse von heute
42-46
Anhang
Die Schriften des Heiligen 47 Literamrhinweise 48
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