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EINLEITUNG
Mit der gesetzlichen Gleichstellung hat sich die rechtliche Situation der Frau entscheidend verbessert. Dennoch sind Chancengleichheit und Gleichberech-tigung im konkrétén Alltagsleben keineswegs allgemein verwirklicht. Noch immer sind Frauen mit Voreingenommenheiten, Benachteiligungen, unglei-chen Löhnen und Doppelbelastungen konfrontiert. Die "Frauenfrage" bleibt daher eines der dringenden Probleme dieser Zeit.
Jahrhundertelang galt die Frau körperlich, geistig, seelisch und charakterlich als minderwertig und als dem vollkommeneren Mann von Natúr aus unter-geordnet.
Nach Jahrhunderten anthropologischer Irrtümer und Vorurteile ist die im Grundgesetz gewollte Gesellschaft der Gleichen nicht nur eine Frage der Gesetze und der politischen MaBnahmen, sondern auch und vor allém eine Frage des BewuBtseins.
Die tradierten Denk- und Verhaltensmuster von Mann und Frau sind vielfach noch tief verankert und geraten unterschwellig in Konflikt mit den rational entworfenen "progressiven" Lebensprogrammen. Sie wirken meist unbewuBt tort in der Erziehung im Elternhaus und in der Schule, bei der Berufswahl, bei der Gestaltung der beruflichen Laufbahn, bei der Verteilung der Aufgaben in der Familie. Diese Situation wird fortbestehen, solange neue Leitbilder fehlen, Leitbilder, die Partnerschaft und Gleichberechtigung im alltáglichen Lebens-vollzug konkretisieren. Der "Hausmann" hat die normgebende breite gesell-schaftliche Anerkennung ebensowenig wie die Mutter, die ihr Kind um der beruflichen Selbstverwirklichung willen in die Krippe gibt. Für beide - Mann und Frau - bedeutet der WandlungsprozeB alsó keineswegs nur Bereicherung und Ergánzung der Möglichkeiten, sondern auch Auflösung gewohnter Ord-nungen und Unsicherheit.
Das Spiegelt auch die öffentliche Diskussion um die "Frauenfrage" wider. Sie ist nicht frei von Einseitigkeit und Parteilichkeit. Da es die eine Wahrheit (auch hier) nicht gibt, werden ideologische Positionen bezogen und Sachargumente und persönliche Wertentscheidungen vermengt. Dies ist in fast allén Auseinan-dersetzungen um die Gleichberechtigung zu beobachten, mag es nun um die Koedukation, die Diskriminierung von Frauen, die Quotenregelung oder um den unfruchtbaren, dem eigentlichen Anliegen eher abtráglichen Kampf um die rechte Sprachform gehen.