Bővebb ismertető
Zur Einführung
Bescheidenheit (daß heißt „Lebensweisheit") ist der Titel eines um 1230 vollendeten Werkes, das vor dem Hintergrund der zeitgenössischen Literatur unverkennbare und unvergleichbare Eigenart aufweist. Geboten wird (zum überwiegenden Teil) eine Sammlung von sprichwortähnlichen Zweizeilern, die - keineswegs vergleichbar mit dem sangbaren „Spruch" der hochmittelalterlichen Lyrik - das Genre des Epigramms in die deutsche Literatur einführt. Lehnt sich der Autor - Freidank mit Namen - in der Form stark an das Sprichwort - lehr- und bildhafte Weitergabe volksläufigen, des Merkens würdigen Erfahrungswissens -, so sind seine Themen denen der hoch- und spätmittelalterlichen Spruchdichtung kongruent. Was uns hier entgegentritt, ist also eine Art Hausschatz, der Wohlverhalten in den verschiedenartigsten Lebenssituationen lehren und vor Fehlverhalten warnen will. Mancherlei ist - trotz zeitlicher Ferne - noch heute beachtens- und befolgenswert, ohne daß damit die Verwurzelung von Autor und Werk im mittelalterlichen Denken übertüncht und so eine untaugliche Aktualisierung angestrebt würde. Vieles ist uns nur noch Wegweiser zur Entdeckung Jahrhunderte weit zurückliegender Lebens-, Denk- und Verhaltensweisen. Dabei darf es freilich nie um die Vorstellung eines vom Staub der Vergangenheit überpuderten Raritätenkabinetts gehen. Vielmehr ermöglicht es die im Umkreis ethisch-moralischer Fragen angesiedelte Epigrammatik Freidanks, die geistige Leistung bei der Bewältigung zeithistorischer Lebensfragen zu würdigen, gegebene Orientierungen nach dem Maß humanistischer Überzeugungen und Haltungen zu werten, so daß aus dem Erleben ernsthaften, von einem hohen Ethos bestimmten Ringens um die Lösungen selbst ferner liegender Lebensfragen die Herausforderung, der Mut zur Bewältigung der eigenen, gegenwärtigen erwachsen. Über Freidank, den Autor der Bescheidenheit, wissen wir leider herzlich wenig - eine Feststellung, die bei Lebensbeschreibungen mittelalterlicher Autoren oft genug getroffen werden muß. Umstritten sind selbst sein Name, überdies seine Lebensdaten, die landschaftliche Herkunft, der Bil-