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Fremde auf Erden [antikvár]

Henri Troyat

 
ERSTER TEILIAuf der Türschwelle drehte sich Wolodja Burin jäh um, als ob er noch etwas sagen wollte. Aber sein Blick begegnete den kalten Augen des Dieners. Der Mann verbeugte sich: Idi bedauere."Von drinnen hörte man Schritte einer Frau. Kinderlachen erscholl im ersten Stock. Die Hand des Dieners lag auf der Türklinke. Seine weißen Baumwollhandsdiuhe waren zu weit und schlotterten um die behaarten Hände.Wolodja zuckte die Schultern, sog draußen die frische Luft ein und stieg die drei vereisten, mit Sand bestreuten Stufen hinab. Mit...
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ERSTER TEILIAuf der Türschwelle drehte sich Wolodja Burin jäh um, als ob er noch etwas sagen wollte. Aber sein Blick begegnete den kalten Augen des Dieners. Der Mann verbeugte sich: Idi bedauere."Von drinnen hörte man Schritte einer Frau. Kinderlachen erscholl im ersten Stock. Die Hand des Dieners lag auf der Türklinke. Seine weißen Baumwollhandsdiuhe waren zu weit und schlotterten um die behaarten Hände.Wolodja zuckte die Schultern, sog draußen die frische Luft ein und stieg die drei vereisten, mit Sand bestreuten Stufen hinab. Mit dumpfem Geräusch schloß sich die Tür hinter ihm. Ein paar Schneeflocken wehten vom Geländer und fielen wirbelnd zu Boden.Lump", brummte Wolodja vor sich hin und schlug den Pelzkragen seines Mantels hoch. Der Kutscher stand neben dem Schlitten und stampfte mit den Füßen. Und wohin jetzt, gnädiger Herr?" fragte er. - Zur Bank." - Zu welcher Bank?" -Zu Junker an der Marschallbrücke." Der Kutscher peitschte das Pferd, und der Schlitten setzte sich in Bewegung. Wolodja lehnte sich in dem gepolsterten Sitz zurück und schloß die Augen. Er hatte nicht erwartet, daß sein Besuch bei Danoffs anders ausgehen würde. Alle Briefe, die er an Tanja gerichtet, waren unbeantwortet geblieben. Sicherlich verachtete sie ihn wegen seiner überstürzten Abreise am Vorabend des Krieges. Dennoch fühlte er sich nicht schuldig. Hätte er lieber hier bleiben und sich dem Zorn eines betrogenen Ehemanns ausliefern sollen? In Norwegen hatten gemeinsame Freunde Wolodja berichtet, daß Michael Danoff Hals über Kopf beim Alexandra-Husarenregiment als Freiwilliger eingetreten war. Schon dies allein, daß Michael am Morgen nach Tanjas Geständnis Frau, Kinder und Geschäft verlassen hatte, um als einfacher Soldat zu dienen, bewies, wie sehr dieser simple Mann in seinen Handlungen zu Kurzschlüssen neigte. Der Narr", flüsterte Wolodja. Er wird es schon bereuen. Er haßt mich. Er beneidet mich." Aber da sah er das Gesicht des Dieners wieder vor sich7und" hatte ein unangenehmes Gefühl dabei. Derselbe Mann, der ihn früher immer mit vielen Kratzfüßen lächelnd empfangen hatte, bedeutete ihm heute, daß Tanja ihn nidit zu sehen wünsche. Und in den Augen dieser Kneditsseele spiegelte sich ein unerträglicher Hohn. Was mochte er wissen? Bestimmt nichts Genaues. Aber gewiß ahnte er, was vorgefallen war, und nahm die Partei der gnädigen Frau. Er gehörte zum Hause. Der Gedanke an diese sinnlose Erniedrigung trieb Wolodja das Blut in die Wangen: Ich hätte nicht hingehen dürfen." Es war ihm klar gewesen, daß er abgewiesen würde, aber nicht auf diese Art: Ich bedauere Weder morgen noch übermorgen gnädige Frau möchte nicht gestört werden." Ein aufdringlicher Lieferant, ein jämmerlicher Bettler hätten keine andere Antwort erhalten. Statt sich über Tanja zu ärgern, fühlte Wolodja, wie sein ganzer Haß sich auf diesen Mann richtete. Man sollte ihm den Hals umdrehen." Er ballte die Fäuste. Ihm wurde heiß vor Zorn. Erst allmählich beruhigte er sich wieder und streckte seine Füße unter der Wolldecke aus. Der Kutscher drehte sich zu ihm um: Haben Sie schon die Zeitungen gelesen, gnädiger Herr? Es steht nicht gerade glänzend bei Warschau." Wolodja gab keine Antwort. Er blickte auf die Stadt und wunderte sich, daß jetzt im November 1914 hier eigentlich noch gar nichts vom Kriege zu spüren war. Alle Läden waren offen. In den Schaufenstern sah man Pelzmäntel, Juwelen, kleine Kümmelbrote, Kinderspielzeug und Damenhüte, und das alles zeugte auf seine Weise vom Reichtum und der Gesundheit des Landes. Die Menge, die sich auf den Gehsteigen drängte, war dieselbe wie in Friedenszeiten. Gewiß man sah mehr Uniformen als früher. Aber auch Heimatkrieger trugen Uniform, und selbst unter den Zivilisten gab es viele junge Leute im wehrpflichtigen Alter, wie Wolodja zu seiner inneren Beruhigung feststellte. Der Anblick so vieler gesunder junger Leute hatte etwas Tröstliches für ihn. Er fühlte sich dadurch gleichsam entschuldigt und rehabilitiert. Dieses angenehme Gefühl wurde auf der Bank in ihm noch bestärkt. Vier oder fünf Kunden warteten vor dem Kassenschalter, aber als Wolodja sich in die Reihe stellen wollte, kam ein Angestellter auf ihn zugestürzt und begrüßte ihn mit untertänigem Lächeln: Bemühen Sie sich bitte nicht,Herr Burin. Fedor Fedorowitsch wird sich sehr freuen, Sie zu sehen. Sie haben uns schon so lange nicht mit Ihrem Besuch beehrt." Wirklich empfing auch Fedor Fedorowitsch, der Prokurist des Bankhauses Junker, Wolodja in seinem Büro mit einer wohltuenden8

Termékadatok

Cím: Fremde auf Erden [antikvár]
Szerző: Henri Troyat
Kiadó: Europäischer Buchklub
Kötés: Fűzött kemény papírkötés
Méret: 130 mm x 210 mm
Henri Troyat művei
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