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EINLEITUNG1
Von der goldenen Mitte
Seit ich denken kann, habe ich mit Freunden, Kollegen, Lehrern, Studenten und auch mit ganz einfachen Menschen über Musik geredet. In den letzten Jahren hat es sich nun ergeben, daß ich auch öffentlich über dies Thema spreche, womit ich mich denn der langen Reihe derer anschließe, die wohlmeinend, aber ohne Aussicht auf Erfolg, den Versuch unternehmen, das einzigartige Phänomen der menschlichen Reaktion auf geordnete Töne zu erklären. Es ist beinahe so, als wollte man irgendwelche Launen der Natur (was immer das sein mag) erklären. Am Ende kann man nur die Tatsachen hinnehmen und sich an ihnen freuen: daß Menschen geordneten Tönen (gewissen geordneten Tönen jedenfalls) mit Genuß lauschen; daß diese Reaktion von der animalischen Erregung bis zur geistigen Erhebung gehen kann; daß ein Mensch, der durch eine Folge von Tönen in anderen stärkste Gefühle auszulösen vermag, als Genie betrachtet wird. Diese Tatsachen lassen sich nicht leugnen und auch nicht erklären. Und doch werden wir uns immer wieder an Erklärungen versuchen, weil der Mensch sich nun einmal schicksalhaft und gegen alle Widerstände aus dem Dunkeln herauszutasten versucht, um vielleicht doch einen Schimmer von Erkenntnis zu erhaschen.
Über die Eroika sind mehr Worte geschrieben worden, als sie Noten enthält. Vermutlich wäre das Mißverhältnis von Worten und Noten bei einer genauen Gegenüberstellung sogar erschreckend. Aber ist irgend jemandem die Erklärung der Eroika gelungen? Läßt sich mit Worten überhaupt das Wunder beschreiben, das in einer Folge von Noten und ihrer inneren Harmonie liegt? Können uns bloße Worte davon überzeugen, daß
'Eine kürzere Fassung dieser Einleitung erschien 1957 im Dezemberheft des Atlantic Monthly unter dem Titel „Speaking of Music".