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EINLEITUNG
ber die Gesamterscheinung eines großen Menschen zu schreiben, ist eine zwiespältige, nur in seltenen Glücksfällen ganz lösbare Aufgabe — auch und gerade heute, da die Biographien großer Männer eine so beliebte und fruchtbare Literaturgattung geworden sind.
Die Schwierigkeit und Zwiespältigkeit ist: daß von einem großen Menschen gehandelt werden soll, und das bedeutet mindestens ein Leben, das sich nicht im (vielleicht noch so großartigen) Privatschicksal erschöpft, sondern um einer Schöpfung, einer Vision, einer streng zielgerichteten Intention willen wichtig ist; und daß doch vom großen Menschen die Rede ist, nicht einfach von einem Werk oder einem abstrakten System—irgendeine Verknüpfung des Spezifischen gerade dieses Lebens und dieser Schöpfung liegt also notwendig in der Aufgabe. Entsprechend drohen zwei Gefahren: nur das „Menschliche", Psychologische zu sehen, das der Große weitgehend gemein hat mit allen, und das Werk nur als verdeutlichende Illustration zu benutzen; oder so ausschließlich bestimmt zu sein von der in sich erfüllten Gestalt des Werkes, daß man, rückwärts korrigierend gleichsam, die Realität des betreffenden Lebens mehr oder minder bewußt verfälscht und der nur visionären, nicht handgreiflichrealen Erfülltheit und Vollkommenheit des Werkes angleicht, als hätte der Mann tatsächlich die Idealität seines Werkes real vorgeführt, vorgelebt.