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Ais ich um die Mitte einer stürmischen Winternacht geboren worden war und zum ersten Male Atem schöpfen sollte, gelang es mir nidit gleich, wegen einer Eigenheit meines Wesens, die midi nachher noch oft in Verlegenheit bradite, weil es mein Leben lang die Regel blieb, daß mir das Selbstverständlidie immer mißglückte.
Den ersten Tag über mußten deshalb die Anverwandten der Reihe nach neben meinem Korb auf Wache ziehen. Sooft ich versuchte, heimlich wieder ins Jenseits zurückzuflüchten, wurde ich herausgeholt und wie eine billige Jahrmarktuhr so lang geschüttelt, bis das schlechtgefügte Räderwerk in meinem Innern wieder für eine Weile zu ticken begann. Erst am anderen Morgen, als mir das Taufwasser gar zu reichlich in den Mund rann, entschloß ich mich endgültig, am Leben zu bleiben, aus Entrüstung vielleicht, denn ich wollte mich doch nicht hinterrücks ersäufen lassen.
Es begab sich aber auch sonst allerlei Ungewöhnliches mit mir in dieser ersten Zeit. Meine Schwester hat mir später oft mit Grausen vorgehalten, wie sie mich einmal im Korbwagen allein in der Sonne stehen-
ließ, damit sie sich ein wenig mit den Nachbarkindern vergnügen könnte. Und als sie wiederkam, sei ich verschwunden gewesen, aber an meiner Statt habe ein schwarzer zottiger Hund auf den Kissen gelegen. Näher mochte sie damals nicht zusehen, und deshalb konnte sie auch nicht sagen, auf welche Weise es nachher der Mutter gelungen war, mir wieder zu meiner menschlichen Gestalt zu verhelfen.
Wir wohnten um diese Zeit im Dachgeschoß einer Schmiede. Das Haus klebte am Rande einer felsigen Schlucht ungeheuer hoch über dem Wasserfall von Gastein, und das ganze düstere Gemäuer zitterte immerfort vom Dröhnen des Hammers und von dem brausenden Schwall in der nebelfeuchten Tiefe. Manchmal, wenn der Bach viel Wasser führte, wuchs der Lärm so gewaltig an, daß man sich in unserer Kammer nur noch durch Gebärden verständigen konnte. Für meine Mutter und ihre behende Zunge war das eine harte Prüfung, ein Ärgernis obendrein, weil es nämlich dem Vater gar nichts ausmachte. Er war Zimmermann von Beruf und deshalb schwerhörig, wie es den meisten Leuten dieser Zunft eigen ist, nach dem Ratschluß des Schöpfers, der nicht selten das Stille auch noch stumm und das Laute um so lauter sein läßt.
Der Vater schätzte denn auch sein Gebrechen gar nicht für ein Übel, sondern für eine köstliche Gabe Gottes. Was immer ihn anfodit, er konnte das ge-