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CIDFUHRUDGBeten ist naiv. Es heifit warten auf jemanden, der niemals kommt. Immer wieder bitten um etwas oder jemanden, der riicht da ist.Wenn es einen Gott gibt, der den Menschen liebt, dafí er jetzt spreche! Jetzt!So láfít der lateinische Dichter Seneca in seinerTragödie Tyestes den Chor sprechen.Ihm schliefie ich mich an:Wenn hier ein Gott gegenwártig ist,dafi er mir antworte! Jetzt!"Keine Antwort. Niemand im Kreis erhebt sich, und vielleicht ist das noch ein Glüek. Beten ist eintönig: immer die gleichen Worte, immer nur Variationen über dasselbe Thema: Erbarme dich unser, sei uns gnádig. Die ganze Weltliteratur und jedes Lied ist eine Variadon über das eine Thema von Liebe, Tod und Erbarmen. Wir habén nicht viel zu sagen und zu denken. Wohl aber besitzen wir die Fáhigkeit, dieses eine Thema in endlosen Wieder-holungen abzuwandeln. Willst du hören von Liebe und Tod", so beginnt der mittelalterliche Román von Tristan und Isolde. Wir wandeln diesen Satz in ver-schiedenen Tonarten ab - noch immer. Auch Beten ist eine Variation über ein bekanntes Thema: Sei gnádig, sei hier gegenwártig, wie lautet dein Name i