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Vorwort zur deutschen Neuauflage
Manche zeitgenössischen Historiker sind der Ansicht, daB Bio-graphien von Königen oder Helden die primitivste Form der Ge-schichtschreibung seien, die fortschrittlichste Art befasse sich mit Gruppenbewegungen, in denen die Individualitát verschwindet. Die vorliegende Arbeit hat sich allerdings mit einem Helden zu bescháftigen, darüber hinaus mit zwei Mánnern, die mit ihm eine Gruppé bildeten, dennoch aber sich als deutlich unterscheidbare Individualitáten darstellen.
Giuseppe Garibaldi, der «Held zweier Welten» oder auch «der stierköpfige Narr» genannt, hat zu verschiedenen Zeiten seines Lebens Erinnerungen geschrieben, die zusammen mit seinen Re-den, Denkschriften, Tagesbefehlen und Gedankensplittern sechs Bánde der Edizione Nazionale (Bologna 1937) füllen. In der vor-liegenden Arbeit wurde gelegentlich sein eigener Wortlaut an-geführt und kein Gesprách hinzugefügt, das nicht aus Aufzeich-nungen von Augenzeugen und Zeitgenossen stammt.
Das Rátsel in Garibaldis Lebensbild sind die Widersprüche: ein überzeugter Republikaner, durch den Victor Emánuel König von Italien wurde, ein Friedensfreund, der zeitlebens kámpfte, ein Mann, der ein nationales Ideál verkörperte, ohne Nationalist zu sein; der unbürgerlichste Mann eines bürgerlichen Jahr-hunderts, der, als das Königreich endlich geschaffen war, in Rom eine republikanische Vereinigung gründete. Nicht weniger ver-wunderlich ist das Ineinanderspiel der vier Mánner, die sich ebenso oft befehdeten wie halfen und dennoch etwas wie einen Organismus bildeten, in dem keiner entbehrlich war — lauter Phanomene, die vielleicht dem einen oder andern Leser die Hy-pothese nahelegen, daB Menschenschicksale, nie voll erklárbar zwischen Geburt und Tod, auf Meeresuntergründe deuten, von denen nur die Wellenschláge an die Oberfláche kommen. Für den Schreiber der vorliegenden Biographie wurden zwei Vortráge