Bővebb ismertető
GAUGUIN Die Entdeckung Gauguins als eines Erneuerers der europáischen Kunst fiel in die Epoche eines extremen Individualismus. Die Expressionisten, sonst leidenschaftliche Zerstörer aller rückwártigen Verbindungen, griffen begierig nach künstlerischen Erscheinungen wie van Gogh, Cézanne und Gauguin, proklamierten sie als die drei groBen Revolutionáre, als ihre geistigen Vorfahren, als die Wegbereiter der modernen Maierei. Dem Bild, das man sich gemeinhin auch heute noch von Gauguin macht, haften viele jener Züge an, die diese Künstlergeneration und deren Interpreten hineingesehen und gedeutet habén, andere wieder sind verdeckt oder vergessen worden. Nicht wenig habén auch Gauguins letzte abenteuerliche Lebensjahre auf Tahiti und sein tragisches Ende dazu beigetragen, ihn im Lichte legendárer Halbwirklichkeit erscheinen zu lassen. Sein unter dem Titel Noa Noa veröffentlichtes Tagebuch aus der Südsee und die dort gemalten Bilder blieben lange Zeit das einzige, woraus sich die Nachwelt ein Bild dieses Künstlers formte - ein einseitiges Bild. Gauguin war nicht nur der AuBenseiter und Einzelgánger - seine Kunst und seine Persönlichkeit waren zugleich schulbildend; sein Schaffen und Fühlen war nicht nur ein einziger Schrei: Los von Európa - seine Kunst stand zur europáischen Tradition in einem engen Verháltnis, wenn auch dem des Widerspruchs, und schlieBlich war der Mensch Gauguin nicht nur ein radikaler Veráchter der bürgerlichen Gesellschaft und der Zivilisation - es war in ihm auch ein schmerzhaftes Verlangen nach einer Rechtfertigung gerade vor diesem Forum. Am 7. Juni 1848 wurde Paul Henri Gauguin in einem Mietshaus der Rue Notre Dame de Lorette in Paris geboren. Sein Vater, einer bürgerlichen Kaufmannsfamilie entstammend, muBte als Journalist an einer republikanisch orientierten Pariser Zeitung aus politischen Gründen 1851 mit seiner Frau, der fünfjáhrigen Tochter und dem dreijáhrigen Sohn Paul Frankreich verlassen. Auf der Überfahrt nach Peru - seine Frau hatte dort begüterte und einfluöreiche Verwandte - erlag er einem Herzschlag. Vier Jahre blieb die Mutter mit den Kindern in Lima, kehrte dann aber nach Frankreich zurück, um eine Erbschaft anzutreten. Bis zu seinem 17. Lebensjahr besuchte Paul die Schule. Danach trat er in die Handelsmarine ein; Reisen führten ihn bis nach Südamerika und Indien. Nach dem Tode seiner Mutter verschafften ihm Freunde der Familie eine Anstellung an der Bank des Kunstsammlers und Gescháftsmannes Bertin in Paris. Elf Jahre blieb Gauguin bei dieser Bank, und es schien so, als ob sich die Unruhe seiner Jugendjahre endgültig in den geraden Geleisen dieses bürgerlichen Berufes besánftigt hátte. Er entwickelte sogar ein erstaunliches kaufmánnisches Talent, spekulierte erfolgreich an der Börse, so daB er sich in der Lage sah, 1873 Mette Sophie Gad, eine schöne und verwöhnte Danin aus einer vornehmen Kopenhagener Familie, zu heiraten und der jungen Frau den gewohnten Luxus zu bieten. Es gehört zu den groBen Rátseln und Widersprüchen, die im Charakter Gauguins liegen, daB er zweimal zu heterogenen Berufen überwechseln konnte. Als Dreiundzwanzigjáhriger vertauschte er das SchifFsdeck mit dem Bankkontor und mit dreiBig Jahren dieses mit dem Maleratelier. Das Leben des Bankmannes Gauguin wies nichts AuBergewöhnliches auf. GewiB, er war nicht der Typ des jovialen Gescháftsmannes; ernst, beinahe mürrisch, teilte er nicht die Geselligkeit, mit der sich seine heitere Frau umgab. Er zog sich háufig mit einem Buch zurück und genoB die stille Einsamkeit des Arbeitszimmers. Die Gegensátzlichkeit der Temperamente aber störte in keiner Weise das harmonische Familienleben, das bald durch Kinder bereichert wurde. Auch als Gauguin begann, seine Freizeit mit Malen zuzubringen und ganze Sonntage in einem Atelier verbrachte, das er sich in seinem Hause eingerichtet hatte, maBen weder er noch seine Frau diesem Zeitvertreib irgendeine Bedeutung bei. Als eine Landschaft von ihm in den offiziellen Sálon von 1876 aufgenommen wurde, war er weit davon entfernt, sich nun etwa als Maler zu fühlen; er widmete sich nach wie vor seinen Finanzgescháften, mit denen es ihm gelang, nach und nach ein ansehnliches Vermögen zusammenzubringen. Das ánderte sich, als er Camille Pissarro kennenlernte. Aus dem vergnüglichen Stádium des spielerischen Experimentierens, der Sonntagsmalerei, heraustretend, begann er sich unter Pissarros EinfluB mit technisch-malerischen Problemen zu bescháftigen. Von diesem Altmeister und Theoretiker des Impressionismus, der dem dilettierenden Bankbeamten gern mit Ratschlágen zur Seite stand, lernte Gauguin, eine Palette mit kráftigen Farben aufzubauen und beim Auftrag deren spezifische Helligkeit zu bewahren. Die Bilder, die er in jener Zeit malte, sind sorgfáltig durchgearbeitete Landschaften, Akte und Portráts mit einem etwas zaghaften Pinselstrich. Aber dank der ihm eigenen dekorativen Begabung versuchte er instinktiv, der Kleinteiligkeit des impressionistischen Bildaufbaus zu entrinnen. Schon drángte er