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Einleitung
D as erste Gedidit Goethes malt die ungelenke Kinderhand des Achtjährigen auf ein Geburtstagsblatt für die Großekern. Das letzte Gedicht Goethes schreibt die zwei-undaditzigjährige Greisenhand, einige hundert Stunden vor dem Tode. Innerhalb so patriarchalischer Weite des Lebens schwebt unwandelbar die Aura der Dichtung über diesem unermüdlichen Haupt. Es gibt kein Jahr, in manchem Jahr keinen Monat, in manchem Monat keinen Tag, wo dieser einzige Mensch sich das Wunder seines Wesens nidit selbst in gebundener Rede erläutert und bekräftigt hätte.
Mit dem ersten Federzug beginnt also bei Goethe die lyrische Produktion, um erst mit dem letzten Atemzug zu enden. Didbtung ist ihm derart ebenso unentbehrlich und selbstverständlidi für die sitändige Interpretation seines Lebens, wie Strahlung dem Licht und, Wadistum dem Baum. Sie wird durchaus organischer Vorgang, eine Funktion des Elementes Goethe, eine nicht wegdenkbare, und fast wagt man sie nicht Tätigkeit zu benennen, weil Tun schon etwas an den Willen Gebundenes ausdrüdkt, indes sidi bei dieser notwendig sdiaffenden Natur die dichterische Reaktion gegen den Andrang des Gefühls gleichsam diemisch und bluthaft vollzieht. Der Übergang von der prosaischen Sprache ins gereimte und diditerische Wort geschieht bei ihm völlig zwanglos: mitten im Briefe, im