Bővebb ismertető
Zum Gedáchtnis des italienischen Bildhauers Alceo Dossena brachte Walter Lusetti, der Sohn und Schüler des 1937 verstorbenen Künstlers, in Rom ein Budi heraus,1 das eine neue Würdigung des Lebenswerkes jenes Mannes geben will, dessen Name im Zusammenhang mit einem der gröfíten Fálsdiungsskandale unseres Jahrhunderts in aller Munde war. Monatelang hatte die internationale Presse den über Nacht zu Weltruhm gekommenen Dossena gefeiert und seine Werke in begeisterten Worten gepriesen. Blattért man in dem Buch über Dossena, so finden sich auf den Tafeln Abbildungen von Madonnenstatuen, die an die romanischen Werke der Bildhauerfamilie Pisano erinnern, Marmorreliefs in der Art der italienischen Renaissance sowie Gruppén und Figuren in griechisch-archaischem Stil. Daneben stehen Arbeiten, die ihre Herkunft aus der Zeit des Jugendstils nicht verleugnen wollen; diese Werke aber waren es nicht, die die Gemüter so beunruhigt hatten: Die Verwirrung ging von den Schöpfungen aus, die in hisíorischer Verkleidung als angebliche Werke der Antiké und der Renaissance ihren Weg über den Kunsthandel zum Teil in bedeutende Sammlungen gefunden hatten. In Lusettis Publikation verheimlichen aber auch diese Arbeiten nicht ihre wahre Autorschaft; im Gegenteil soll der Leser und Betrachter der Bilder von ihrem absoluten künstlerischen Wert überzeugt werden, da die Arbeiten Dossenas, nachdem sie als Nachahmungen erkannt waren, ihre Hochschátzung eingebüfít hatten. Auch der berühmte Gemáldefálscher van Meegeren muBte die bittere Erfahrung madien, dafí
seine Bilder schlagartig wertlos geworden waren, als sie nicht mehr als echte Vermeers, sondern als Nachahmungen unter seinem Namen liefen. Am objektíven Tatbestand hatte sich durch die Selbstenthüllung des Künstlers nichts geándert. Wohl aber waren die subjektiven Voraussetzungen beim Betrachter nicht mehr die gleichen, und das Gefühl der Bewunderung war unversehens ins Gegenteil umgesdilagen. Drángt sich da nicht die Frage auf, wer nun eigentlich unrecht hat: der Künstler, der für sein Werk die gleiche Anerkennung fordert, die es unter falscher Bezeichnung gefunden hat, oder der Kritiker, der dasselbe Produkt hodischátzt oder geringachtet, je nachdem, ob es von der öffentlichen Meinung für alt oder modern gehalten wird? Damit stehen wir unversehens vor dem ásthetischen Grundproblem von Fálschungen überhaupt: Ist der Wert oder Unwert einer Fálschung lediglich von unserer Erkenntnis und unserem BewuBtsein abhángig, die uns ein Werk als falsch oder echt begreifen lassen? Alléin von dieser Position aus ist die Frage aber nicht zu kláren, da Fálschungen nicht nur ein ásthetisches oder gar juristisches, sondern vor allém ein historisches und wissenschaftliches Problem darstellen, eine Herausforderung an die Fachdisziplin, ihre Zeitgebundenheit zu enthüllen. Ein Jahr vor Dossenas Tod hat das Institut für Kulturforschung in Berlin einen Film über das Schaífen des Bildhauers gedreht,2 der ganz darauf abgestimmt ist, die einmalige Künstlerpersönlichkeit Dossenas darzustellen, die die künstlerische Vollkommenheit aller Epochen in sich vereinigt habe. Welche tiefgreifenden Konsequenzen sich aus der uneingeschránkten Anerkennung der