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Georg Büchmann und seine „Geflügelten Worte''
Das viel zitierte Habent sua fata libelli hat sich an Georg Büchmanns Werk kaum in dem Sinne bewährt, wie man es sich sonst bei einem klassischen Werke gern vorstellt. Das Schicksal der „Geflügelten Worte" ist ein ganz und gar geradliniges. Es begann mit einem einzigen grolJen Triumph, der bis auf den heutigen Tag und sicher auch noch darüber hinaus anhält. Hier liegt einer der ganz seltenen Fälle vor, daß das Werk eines zuvor ziemlich unbekannten Verfassers schon gewissermaßen im Zeitpunkte seines Entstehens zu einem klassischen, zu einem unverrückbaren Bestandteil der deutschen Literatur wurde; doppelt bemerkenswert dadurch, daß es sich bei der Büchmannschen Arbeit im Grunde um eine rein wissenschaftliche handelt. Dabei war Büchmann nicht etwa der Typus jenes „erfolgreichen" Schriftstellers, der vielleicht aus inniger Kenntnis der Seele seines Volkes diesem das zu bieten vermochte, was ihm not tat, wonach es verlangte. Büchmann war das genaue Gegenteil: ein trockener Gelehrter, ein Philologe gar und preußischer Gymnasialprofessor, wie er im Buche steht. Ihm mangelte offensichtlich jeder Sinn für die Psyche des nichtphilologischen, lediglich allgemeingebildeten Lesers. Da gab es kein Buhlen um die Gunst des Publikums, keine Konzession an die große Masse der Nicht-philologen, die es sich durchaus gefallen lassen mußte, das, was sie in dem Buche suchte, gelegentlich unter einem Wust von gelehrten Definitionen und Ableitungen verborgen zu finden.