Bővebb ismertető
ZUM GELEIT
Die Spraclie ist nach Inhalt und Form die Summe der inneren und äußeren Erlebnisse eines Volkes, seiner Taten imd seiner Gedanken -sie ist nicht nur Gegenwart, vielmehr immer auch Erinnerung. Sie vergegenwärtigt seine gesamte Kultur. Die Mundart imd die Umgangssprache bewahren im Sprichwort bildhaft und fest geprägt die Erfahrungsweisheit und Lebensklugheit längst verschollener Geschlechter. Die Sprache der Bildung erhält in, wie Georg Büchmann es Homer folgend {epta pteroenta) erfolgreich ausdrückte, „Geflügelten Worten", die gleichsam selbständig und imgerufen von Mund zu Mund fliegen, allen gegenwärtig und meist auch allen verständlich, den ererbten Reichtum an literarischem und geschichtlichem Gut. Das Zitat wurde seit dem Humanismus das Geheimzeichen der Eingeweihten; wer es benutzte, verstand und zu beantworten wußte, gehörte dem unsichtbaren Orden der wahrhaft Gebildeten, vor allem in den klassischen Literaturen Geübten an. Was im 15. und 16. Jahrhundert noch seltenes Gut der Gelehrten war, wurde allmählich der selbstverständliche geistige Besitz breiter Kreise. Das Zitat, einst Losungswort, wurde nun zum Schmuck der gebildeten Rede und gab ihr, gewichtige Erinnerungen und große Vorbilder aufrufend oder auf sie anspielend, eine höhere Würde. Je mehr die Dichter ein vertrautes Eigentum wurden, um so mehr drangen von ihnen schlagkräftig und anschaulich geprägte Worte in dfis allgemeine Bewußtsein ein. Man war im 19. Jahrhundert „schillerfest", wie man früher „bibelfest" gewesen war. Manches literarische Werk oder geschichtliche Ereignis lebte, längst verstaubt oder vergessen, nur noch in einem Wort nach, das sich der Phantasie und Erinnerung durch eine glückliche, ausdrucksvolle Wendung eingeprägt hatte. Ein seltsam eigenes Leben formt die Sprache -Büchmanns Darlegungen bieten viele Überraschungen. Vor allem hat auch jede Sprache eine Neigung zum Komischen, zur Ironie und Parodie; sie freut sich daran, mit den Worten und Dingen zu spielen. Das Pathos des seine Bildung ausschüttenden Festredners wurde vom Humor aufgefangen und witzig parodiert. „Geflügelte Worte" wurden zur scherzhaften Wendung, zur listig-klugen Anspielung, die man sich wie bunte Bälle zuwarf. Man kann mit „geflügelten Worten" geistreiche Spiele treiben. Man kann mit ihnen auch manches sagen, was man mit eigenen Worten nicht aussprechen möchte. So wurden sie besonders für die breiten Bildungsschichten des 19. Jahrhunderts