Bővebb ismertető
Ein Lattenzaun begrenzte den Bahndamm, und darüber wuchsen Sonnenblumen, mit großen gelben Köpfen und weichen braunen Gesichtern. Sie nickten im Wind, der selten war in diesem August und sanft wie sonst nichts. Denn die Großmutter sagte, die Welt steht in Flammen. Und Flammen waren heiß und wild.
Das Kind stand am Fenster und sah den Sonnenblumen zu, wie sie sich im Wind drehten. Dahinter staffelten sich bunt die Häuser von Kessenich in Bonn bis hin zum grünen Wall des Venusberges, auf dem das Lazarett lag, das die Großmutter oft besuchte.
Tau lag noch auf der Hecke des Vorgartens, und ein Rotkehlchen schüttelte den Schlaf aus seinem Gefieder.
Kaum sieben Uhr war es erst, aber das Kind stand stets so früh auf, als könnte der Tag nicht lang genug sein.
»Was schaust du nur, Priedel?« fragte Christine Schwarzen-burg. »Eine halbe Stunde stehst du schon am Fenster.«
»Den Sonnenblumen zu«, sagte das Mädchen und wandte sich um. Es war elf Jahre alt, klein für sein Alter und zart, und die Augen, grau waren sie und weit, beherrschten das ganze Gesicht.
Ein Güterzug fuhr vorüber, die Fensterscheiben klirrten leise.
»Und dem Wind«, sagte das Mädchen.
»Aber den Wind kann man nur spüren.«
»Ich sehe den Wind«, sagte das Mädchen.
»Du mußt noch deinen Ranzen packen«, sagte Christine.
»Ich weiß.« Aber Priedel blieb stehen, vor dem Fenster, zart, schmal, mit diesen großen grauen Augen.
»Ich muß auch noch einen Brief schreiben«, sagte sie, »an meine Eltern. Auch wenn sie mir nicht antworten.«
»Ich habe es dir erklärt«, sagte Christine. »Seit Amerika in den Krieg eingetreten ist, können sie nichtmehr antworten.« Das Kind wandte sich wieder ab, zog die Schultern hoch. Sein Rücken wurde mager und abweisend.
»Verstehe es doch«, sagte Christine, »deine Eltern gingen zu einer Zeit nach Amerika, als die ganze Welt noch anders aussah. Man ahnte zwar, was kommen würde, aber man wollte es nicht glauben