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VORWORT
Im Jahre 1913 wurde, auf Initiative der rheinisch-westfälischen Augenärzte, in Düsseldorf ein Fortbildungskurs abgehalten. Der eine von uns war gebeten worden, als Neurologe vor einem ophthalmologischen Auditorium das Wichtigste aus dem Grenzgebiet beider Fächer zur Darstellung zu bringen. Da in der Folge bei den Hörern der Wunsch rege wurde, über die flüchtigen Stunden jener Veranstaltung hinaus sich die dort behandelte Materie in Erinnerung rufen zu können, erklärte er sich auch bereit, sie in Gestalt eines knappen und anschaulichen Kompendiums zusammenzufassen und im Druck erscheinen zu lassen.
Diese Entstehungsgeschichte der ersten Auflage dieses Buches läßt es als selbstverständlich erscheinen, daß darin solche Themata, bei denen der Nervenarzt vom Augenarzt zu lernen gehabt hätte - und nicht umgekehrt! - übergangen wurden oder nur eine summarische Erwähnung erfuhren. Freilich konnte dieser Standpunkt beim Erscheinen einer zweiten Auflage (1923) nicht mit voller Konsequenz aufrecht erhalten bleiben. Ergab sich doch sowohl aus Eezensionen als auch aus persönlichen Zuschriften an Autor und Verleger, daß das kleine Werk auch in neurologischen Kreisen ein Interesse erweckt hatte, das imter anderm im Wunsche zum Ausdruck kam, den illustrativen Teil durch eine möglichst naturgetreue Wiedergabe der am Fundus oculi bei Organopathien des Nervensystems zu gewärtigenden Veränderungen zu bereichern. Dank dem Eingehen auf diese Postulate und der Berücksichtigung zahlreicher neuer Kenntnisse, die seit Erscheinen der ersten Auflage zu verzeichnen gewesen, fand auch die neue Bearbeitung eine sehr freundliche Aufnahme. Kascli vergriffen, ist sie auch antiquarisch kaum mehr zu beschaffen.
Wenn trotzdem bis heute das Buch nicht mehr neu aufgelegt wurde, so liegt dies weniger an der lawinenartig anschwellenden Zahl ophthalmo-neurologischer Errungenschaften an und für sich, als daran, daß diese letzteren in ständig zunehmendem Maße Vertretern der Augenheilkunde zu verdanken sind, deren Beiträge zu diesem (durch enge Verflechtung zweier weitschichtiger Diszi-plinen entstandenen) Sondergebiete hinter denjenigen der neurologischen Forscher kaum mehr zurückstehen. Die gleichmäßige, völlige Beherrschung der beiden Komponenten dieses fesselnden Sondergebietes dürfte heute dem Nervenarzt wie dem Augenarzt unerreichbar geworden sein. Vor allem macht es die Komplexität und nicht das bloß Quantitative (d. h. der gewaltige Umfang der zu bewältigenden Literatur) dem einzelnen unmöglich, gewissenhaft - und nicht als Dilettant - eine Aufgabe zu erfüllen, welcher er sich noch vor nicht allzu langer Zeit gewachsen fühlen durfte.
Als besonderer Glücksfall mußte daher die Möglichkeit begrüßt werden, die Bearbeitung dieser dritten Auflage nach dem fruchtbaren Prinzip des «team-work» durchzuführen - wozu sich die Verfasser durch frühere gemeinsame poliklinische Arbeit gut vorbereitet fühlten. Eine gewisse Akzentverschiebung in der Zielsetzung mußte dabei allerdings stattfinden; ergab sich doch aus der sehr erheblichen Mitwirkung