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Die Jagd bewegt sich mit Geschrei dem Flusse zu. Gräser flattern fahlbraun im rötlichen Grund. Es geUngt Liza, sich zu verbergen. Auf schwarzen Füßen naht Gelächter, wirres Getrampel. Sie suchen das Mädchen. Liza duckt sich tiefer. Und auch sie lacht, geschlossenen Mundes, nur mit den oberen Zähnen. Die graben sich ein, wölben die Lippe auf. Was wollen die andern? Sie totkitzeln? Das klopfende Leben in ihrer Brust hüpft wie das eines Turako, wenn ihn auf seinem Flug der Regen überrascht, ihn überrauscht, und er muß bangen, daß ihm nicht alles Rot von den Federn wegschwimme, trag - in gelblicher Pfütze — das erblassende Rot. Aber noch ist der Regen nicht da. Nur die Regenzeit hat angefangen. Gestern kam es, breit gießend, Wasserfall neben Wasserfall. Keine Stunde, und es war verströmt, heute morgen alles weg - aufgetrunken. Kein Regen schlug mehr, die Sonne stach wieder, und jetzt wollen sie im Fluß baden, alle oder doch die meisten. Sie haben auf den Feldern des Herrn Abedi gearbeitet. Das dunkelhäutige Antlitz Lizas verdüstert sich. Nicht für lange. Sie schickt ihre Augen zum Fluß voraus. Er ist tief eingeschnitten, nur an dem Laub der Bäume zu erkennen, die seiner Windung folgen.
Da kommen die Bibis, das Getrappel der schwarzen Füße mit hellen Sohlen. Sie nennen sich schon Bibis, auch solche, die weniger Jahre haben als das Jahr Monde. Eine hat sich das Schamtüchlein weggezogen und läßt es beim Lauf in der Luft wehen. Die andern tun es ihr nach, werfen die Hände hoch, rufen den Namen, Ton und Gesicht verziehend. Wo versteckt sie sich? He, Liza, zeig dich doch! Angst, vor uns Angst!?
Liza springt auf, wird umringt. Die große Majimbi, die noch ihr Weißes umhat, greift Lizas Schultern an, will mit ihr wirbeln, bekommt einen Zweifingerhieb auf den Oberarm, und alles lättft weiter.
dem Flusse entgegen, dem weißen Kikuletwa zu, der ein lichtblaues Wasser hat zum Unterschied von dem schwarzgrünen Kikuletwa der großen Steppe Angadongischu, wo es Zebras gibt, die sich mit den Köpfen prügeln, und prustende Antilopen.
„Ja, die Djämälas", sagt eine, „die tun nichts als mit dem Mund zittern
und trinken niemals."
„Aber wenn sie doch Durst haben?"
„Sie trinken kein Wasser."
„Dann müssen sie eintrocknen, und das klopfende Leben steht still." „Nein, sie springen und sind feucht an Lippe und Euter. Sie trinken kein Wasser, weil es keine Flüsse gibt, sie trinken und leben." Plötzlich sind alle verstummt. Eine hat gesagt, daß Herr Abedi heute in der Nähe ihres Lagers gesichtet worden sei. Herr Abedi wohnt weit weg von hier, bei Tanga. Er kommt nur selten einmal nach Thamani. Ihm gehören viele Pflanzungen, sei es an der Küste, sei es im Innem. „Und er ist wirklich hier?"
„Nicht bei uns in Thamani. Aber doch in der Nähe. Simon hat es von Hussein gehört."
Jetzt gehen ihre Stimmen kraus durcheinander. Ob er wieder auf seinem hochnäsigen Maskatesel hergereist sei? Gewiß! Ach, und darum sollten sie heute nicht bis Sonnenuntergang ackern, sondern alle baden gehen oder doch die meisten?
Sie stoßen geschmeichelt die Luft durch die Nase. Eine betrachtet insgeheim die andere. Sie hören das sachte Rauschen der Strömung. Hier in der Nähe des Wassers ist die Erde noch dürrer. Bald aber gibt es rote Wildblumen. Die Zwiebeln sind schon geschwollen. „Daß du mir vorsichtig bist!" sagt die große starke Majimbi zu Liza. Sie trappeln die Senke hinunter. Manchmal rutscht eine, hält sich an der Gestalt ihrer Vorgängerin. Sie lugen um sich, heben die Füße, strecken den Ballen vor, tunken ein, gehen schlürfend, frösteln fröhlich. Die eine stelzt noch, während sich die andere fallen läßt mit dreistem Klatsch. Vögel sind kaum zu sehen, nur weiße Reiher von fern. Und Fische? Hie und da eine Barbe mit blitzenden Flossen. Sie äugen zur Sandbank. - Nein, nichts.
Majimbi behält Liza scharf in naher Sicht. Einmal ruft sie ihre Warnung, fast böse. Ja, sie verlegt ihr den Weg. „Ich gehöre Herrn Abedi", sagt Liza, „und nicht dir!" „Du weißt, Knösplein, es ist gefährlich."