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DEN GRUNDSTOCK der Berliner National-Galerie bildete im Jahre 1361 eine Stiftung des Berliner Kaufmannes Joachim Heinrich Wilhelm Wagener. Das Wagnersche Vermächtnis umfaßte annähernd dreihundert Gemälde von Künstlern der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts, die dem preußischen König mit der Bedingung zufielen, sie zur Grundlage einer öffentlichen Sammlung zeitgenössischer Kunst zu machen. Der Wunsch nach einer solchen nationalen Bildergalerie war vor allem seit den Befreiungskriegen in liberalen Kreisen Berlins mehrfach laut geworden. Ein Bürger war es deshalb auch, der dazu schließlich den Anstoß gab. Weitere Stiftungen und Ankäufe ließen den Bestand schnell anwachsen. Der Schwerpunkt lag dabei stets auf der deutschen Kunst; um einer imfruchtbaren Isolierung vorzubeugen, wurden allerdings auch Werke ausländischer Künstler, vor allem von Franzosen, erworben. So hatte sich die National-Galerie bis zur Katastrophe des zweiten Weltkrieges zu einer einzigartigen Sammlung deutscher Kunst des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts entwickelt. Jedoch schon im Jahre 1937 zerstörte die faschistische Kulturpolitik mit der Aktion gegen die sogenannte „Entartete Kunst" den reichen Bestand an moderner Kunst, den Ludwig Justi, der langjährige Direktor der Galerie, aufgebaut hatte. Als einer der ersten Museumsdirektoren war Professor Justi nach der faschistischen Machtergreifung gemaßregelt und entlassen worden. Erst nach dem Zusammenbruch des Hitler-Staates konnte er das Direktorat der National-Galerie wieder übernehmen. Die schweren Kriegsverluste waren eine logische Fortsetzung der nazistischen Kulturbarbarei, und die Spaltung Deutschlands brachte es mit sich, daß noch heute reiche Bestände unseres Hauses in Westberlin zurückgehalten werden. Inzwischen ist die zielstrebige Sammeltätigkeit fortgesetzt worden, so daß auch bisher vernachlässigte Gebiete, wie die proletarische und revolutionäre Kunst, sowie die sozialistische Kunst unserer unmittelbaren Gegenwart zum Bestand gehören. Die alte Tradition, in Sonderausstellungen das Werk bedeutender Künstler oder einzelne Genres und Kunstströmungen vorzustellen, ist beibehalten worden. Damit versucht die Galerie wie eh und je dem Publi-
kum interessante Einblicke in neue Bereiche zu ermöglichen und ihren Beitrag zur wissenschaftlichen Forschung und Diskussion zu geben. Die erste Ausstellung der National-Galerie fand in Ermangelung eigener Räume 1861 in der damaligen königlichen Akademie Unter den Linden statt. 1866 wurde dann der Grundstein zu einem eigenen Gebäude auf der Museumsinsel gelegt. August Stüler, Schinkel-Schüler und Erbauer des Berliner Neuen Museums, war der Architekt, die Bauausführung lag nach seinem Tode in den Händen von Heinrich Strack. Das preußische Großmachtstreben der Jahre vor der Reichsgründung hat dem Bau deutlich seinen Stempel aufgedrückt. Man dachte nicht zuerst an den praktischen musealen Zweck, dem das Haus hätte dienen sollen, sondern war bestrebt, eine Ruhmeshalle, einen Tempel deutscher Kunst zu schaffen. Daraus ergaben sich für die Ausstellungs- und Sammlungstätigkeit erhebliche Schwierigkeiten, die erst kurz vor dem ersten Weltkrieg und später noch einmal in den dreißiger Jahren durch Umbauten teilweise beseitigt werden konnten.
Die schnell anwachsenden Bestände waren schon um die Jahrhundertwende im Stammhaus auf der Museumsinsel nicht mehr zufriedenstellend unterzubringen. Es wurden deshalb Außenstellen im ehemaligen Kronprinzenpalais und im Prinzessinnenpalais Unter den Linden, in der Bauakademie sowie in der Orangerie des Charlottenburger Schlosses geschaffen. Nach dem zweiten Weltkrieg war die Galerie wieder auf ihr zudem noch teilweise zerstörtes Stammhaus beschränkt. Bis 1955 gelang es, das Gebäude wieder instand zu setzen, und als 1958 die Übergabe der Kunstschätze durch die UdSSR an die Regierung der DDR erfolgte, konnte auch die National-Galerie die Bestände in Empfang nehmen, die vorübergehend in der Sowjet-Union sichergestellt worden waren. Heute steht die National-Galerie wieder am Beginn eines neuen wichtigen Abschnittes ihrer Entwicklung. Sie hat das wiedererbaute Schin-kelsche Alte Museum in Besitz nehmen können, so daß der akuten Raumnot zunächst abgeholfen ist. Im Stammhaus sind in zwei Stockwerken Kunstwerke des neunzehnten Jahrhunderts zu sehen, die obere Etage ist,