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Eine Ohrfeige fúr Albert Einstein
Der Schweizer Physiker und Ökonom Dr. Emil Kowaiski hált die zunehmende Technikfeindlichkeit für eine gefáhrliche Entwicklung; GEO-Forum Nr. 10/1982
Endlich einmal eine Stimme der Klarheit, der Vernunft und der Sachlichkeit zum Thema „Technik"! Es ist ja leider in den Medien Mode geworden, die technische Zivilisation nach Kráften zu verteufeln und das bei vielen Menschen vorhande-ne Unbehagen über die mon-strösen Auswüchse der Technik, wie Raumfahrt und Ver-nichtungstechnologie, zu einer allgemeinen Technikangst hochzupeitschen. Sachkenntnis ist dabei wenig gefragt. Was nicht ins eigene, aus vorfabri-zierten Fertigteilen bestehende Weltbild paBt, wird einfach nicht zur Kenntnis genommen: Zum Beispiel, daB in allén Kernkraftwerken der Welt noch nicht ein tödlicher Unfall durch Strahlung zu beklagen ist, wáhrend der Flugverkehr jedes Jahr Tausende von Opfern for-dert. Aber „Fliegen-nein dan-ke" sagt deshalb niemand!
Dr. med. HEINZ HEUWIESER 2000 Hamburg
Kritik an der heutigen Technik setzt Herr Kowaiski schlichtweg mit Technikfeindlichkeit gleich. Er macht sich damit gerade der Verketzerung schuldig, die er so beredt dem Durchschnittsbür-ger in die Schuhe schiebt. Tech-nischer Fortschritt besteht eben nicht in der hemmungslosen Fortsetzung des industriellen Wachstums um jeden Preis, sondern in der kreativen Au.s-schöpfung der Naturgesetze zur optimalen Gestaltung der menschlichen Gesellschaft und gleichzeitig zur Bewahrung ih-rer natürlichen Umwelt. Tech-nischer Fortschritt ist nicht der höhere (und „biliigere") Kamin eines Kohlekraftwerks, sondern die („teurere") Wirbel-schichtfeuerung zur Verhinde-rung der Schwefeldioxidemis-sionen; nicht der gedankenlose Ausbau der Kernenergie ohne
gesicherte Wiederaufbereitung und Einlagerung, sondern die einfallsreiche Ausschöpfung der zahlreichen Möglichkeiten zur rationellen Energieverwen-dung und zur Nutzbarmachung der Solarenergie; nicht die Be-tonierung unserer Landschaft mit immer mehr StraBen, sondern eine intelligente Vernet-zung aller Verkehrsmittel unter Beachtung gewachsener Sied-lungsstrukturen. Wer die nách-ste technische Apokalypse ver-hindern will, muB Kritik üben an der Art, wie Technik heute „vermarktet" wird, wie Folge-kosten technischer Tátigkeiten aus dem betriebswirtschaftli-chem Kalkül herausgehalten werden und wie jede technische Errungenschaft unreflektiert als Fortschritt bezeichnet wird.
Dr.-Ing. JOACHIM NITSCH 7000 Stuttgart
Kowalskis ganzer Text tut so, als gábe es in der menschlichen Existenzkeine anderen Realitá-ten - immaterielle Werte wie intakté Sozialgefüge oder das Wissen, daB das Leben als Prin-zip stárker ist als der Tod. Nicht Technikfeindlichkeit steht zur Diskussion, sondern Lebens-feindlichkeit. Die Reaktion sensibilisierter Zeitgenossen auf den fortschreitenden Pro-zeB der Technisierung ist ein Zeichen der Genesung von je-ner Krankheit, deren Symptom der Technik-Fetischismus war: von dem destruktiven Narzis-mus der Industriegesellschaften námlich, die das Bibelwort „Machet euch die Erde unter-tan" grandios und erbármlich auslegten, námlich wörtlich.
MARCVALANCE CH-8057 Zürich
Es stimmt, wir habén mit Hilfe der Technik den Kampf gegen die Natúr gewonnen. Besiegt und vernichtet liegt sie vor uns
KARL ERNST ROEHL 2300 Kiel
Wenn behauptet wird, der Mensch habe mit Hilfe der Technik den Urkampf gegen die Natúr gewonnen, so ist dies
schlichtweg falsch. Werden wir nicht fortwáhrend aufs neue von Umweltkatastrophen, seien es Erdbeben, Vulkanausbrüche, Sturmfluten, Kálte-oder Hitze-katastrophen heimgesucht? Und kann man wirklich von Massenwohlstand reden, wenn auf unserer Erde jáhrlich 30 Millionen Menschen Hungers sterben? Auch die SchluBfolge-rung, der Abbau des techni-schen Überflusses werde letzt-lich die Freiheiten des táglichen Daseins abbauen, ist falsch. Hat nicht gerade derjenige eine grö-Bere Freiheit, der es gelernt hat, mit wenigem auszukommen, als der, der durch künstlich erzeug-te Bedarfsweckung meint, immer mehr konsumieren zu müs-sen und der vor jedem Konjunk-tureinbruch Angst habén muB?
HANS BERENDSEN 7547 Wildbad
Für mich liegt eine Gefahr dar-in, die Begriffe „Technik" und „Industrie" als Synonyme zu gebrauchen. „Technik" ist das Lösen von Problemen, die sich aus den Naturgesetzen ergeben. „Industrie" ist die kommerziel-le Ausbeutung technischer Ideen, ohne Rücksicht auf Ver-luste. Technik an sich birgt wenig Probleme, solange sie nicht zum Selbstzweck wird. Den heutigen Wohlstand verdanken wir in der Tat der technischen Begeisterung unserer Vorfah-ren. Aber auch die heutigen Probleme. Übrigens: Ich stu-diere Elektrotechnik an der TU München.
KLAUS EICHELER 8000 München
Die technischen Möglichkeiten werden eben nicht zur Erhal-tung des Menschen, sondern zu dessen mehrfacher Vernichtung eingesetzt. Wie sonst erkláren Sie sich die Tatsache, daB zivile Technik meist nur ein Neben-produkt militárischer Forschun-gen ist?
CHRISTOPH KRAUSS 8700 Würzburg
Der Autor wáhnt sich in einem Urkampf gegen die Natúr. Als wenn der Mensch nicht ein Teil
dieser Natúr wáre und deshalb nur mit und in der Natúr leben kann. Welch eine Fehlentwick-lung von der finsteren Nacht unserer GroBeltern, als man zwangsweise mit den Hühnern zu Bett gehen muBte, zum heutigen Zustand, da Nacht für Nacht riesige Ráume beleuchtet werden, ohne daB das Licht von irgend jemandem benötigt wird. Zugegeben, auch bei mir kommt der Strom aus der Steck-dose - wenn auch bedeutend weniger als noch vor zwei Jah-ren. Denn alléin durch Abbau von Stromverschwendungen habe ich den Verbrauch um über 50 Prozent verringern kön-nen - ohne die geringste Einbu-Be an Lebensqualitát. Das ist aktive Bejahung von Technik.