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Lieber Leser
Der Hamburger Journalist Christian Jungblut recherchierte fünf Monate lang und riskierte dabei Kopf und Kragen, ehe er mit einer Reportage in die GEO-Redaktion kam, wie sie vor ihm noch niemand erarbeitet hat. Jungblut, 37 Jahre alt und Angehöriger einer Familie, die immer mit der Seefahrt zu tun hatte, weist mit dieser Arbeit nach, daß auf den Weltmeeren große Tanker fahren, auf denen ein beängstigendes Maß an seemännischem Unvermögen regiert.
Mehr noch: Christian Jungblut beweist, daß man ohne die eigentlich erforderlichen Qualifikationen auf die Kommandobrücke gelangen, daß man sich Patente erschwindeln und kaufen und dann Autorität auf Schiffen haben kann, die potentiell nicht viel ungefährlicher als
Drei Wochen an Bord eines Tankers, der die Meere verunsichert und verpestet: Christian Jungblut, »Dritter Steuermann«, bestimmt mit dem Sextanten den Standort der unter Panama-Flagge fahrenden »Aladin B«
Atombomben sind. Er beweist, daß gegen Sicherheitsbestimmungen gleich en gros verstoßen wird, und er macht uns mit Offizieren bekannt, denen jedenfalls ich noch nicht einmal trauen würde, wenn sie mich mit einer Barkasse durch den Hamburger Hafen fahren wollten.
Mit einem Wort: Christian Jungblut hat einen -das Wort ist hier wirklich erlaubt - Skandal aufgedeckt. Es darf niemanden trösten, daß Jungblut seine schlimmen Erfahrungen an Bord eines Tankers sammelte, der zwischen Curaçao und Philadelphia - also weit von uns entfernt - verkehrte. Denn große Tanker, die unter Schattenflaggen fahren, kommen auch in Europas Häfen. Der Verdacht ist begründet, daß ähnlich unerträgliche Zustände, wie sie Jungblut an Bord
seines Tankers vorfand, auch auf Schiffen herrschen, die Öl nach Wilhelmshaven, Rotterdam oder Genua bringen und Europas Küsten bedrohen. Und weil der Verdacht begründet ist, ist die Forderung begründet, daß die dafür zuständigen europäischen Behörden gefälligst damit beginnen sollten, die Supertanker sorgfältiger als bisher zu kontrollieren, wenn sie sich unseren Häfen nähern.
Ein Wort zu einer anderen, einer eigenen Sache: Nach mehr als vier Jahren muß GEO den Preis erhöhen. Wir tun das schweren Herzens, aber doch auch mit gutem Gewissen, denn in den vergangenen vier Jahren sind uns die Kosten geradezu davongelaufen. Die Erarbeitung einer Reportage in Europa kostet uns heute 54 Prozent mehr als 1976. Die Flugpreise sind bis zu 26 Prozent, die Preise der Behandlung unserer Fotos bis zu 25 Prozent, die Preise der Hotels um bis zu 60 Prozent gestiegen. Es gibt keine, nicht eine einzige Kostenposition, die nicht kräftig nach oben gegangen wäre. So sehr wir uns auch mühten - dagegen war mit Sparsamkeit allein nicht mehr anzukommen. Der neue Abo-Preis beträgt 7,50 DM, der Heftpreis im Einzelhandel 9,50 DM. Wir bitten um Ihr Verständnis.