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GeoEpoche 44. [antikvár]

GeoEpoche 44. [antikvár]

 
• .T k U ••W'^ - -J. ir^i' ¦ ¦tU'Vm Editorial Liebe Leserin, lieber Leser A m 18. Februar 1943 hielt der NS-Propagandaminister Joseph Goebbels eine Rede im Berliner Sportpalast, /—% die im Radio übertragen wurde. Es war kurz nach der Niederlage der deutschen Truppen bei Stalingrad. Schätzungsweise 100 000 Soldaten waren an der Wolga gefallen, 110 000 in Kriegsgefangenschaft geraten, der Vormarsch der Wehrmacht in der Sowjetunion war gestoppt. Deutschland stand unter Schock, die Spitzel des Regimes berichteten, dass die...
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• .T k U ••W'^ - -J. ir^i' ¦ ¦tU'Vm Editorial Liebe Leserin, lieber Leser A m 18. Februar 1943 hielt der NS-Propagandaminister Joseph Goebbels eine Rede im Berliner Sportpalast, /—% die im Radio übertragen wurde. Es war kurz nach der Niederlage der deutschen Truppen bei Stalingrad. Schätzungsweise 100 000 Soldaten waren an der Wolga gefallen, 110 000 in Kriegsgefangenschaft geraten, der Vormarsch der Wehrmacht in der Sowjetunion war gestoppt. Deutschland stand unter Schock, die Spitzel des Regimes berichteten, dass die Menschen niedergeschlagen waren und sich Kriegsmüdigkeit ausbreitete. Goebbels hielt im Sportpalast dagegen. 109 Minuten lang sprach er von der bolschewistischen Gefahr für „ganz Europa", gegen die nur der Nationalsozialismus Schutz böte. Er gab zu, dass Berlin wegen der „groß angelegten Tarnungs- und Bluffmanöver des bolschewistischen Regimes" die Kampfkraft der Sowjetarmee anfangs unterschätzt habe: Erst jetzt offenbare sich Moskaus „Kriegspotenzial in seiner ganzen wilden Größe". Dann stellte er seinem Publikum, fast ausnahmslos handverlesene Soldaten, Krankenschwestern, Künstler, Rüstungsarbeiter, zehn Fragen, die sich zu einem Crescendo der End-siegrhetorik steigerten und die vor allem die Hörer an den Volksempfängern beeindrucken sollten. Sie handelten von der Treue der Deutschen zu ihrem „Führer", von ihrer Opferbereitschaft, von ihrem Glauben an den Sieg. Und jedes Mal brüllten ihm die Zehntausend im Sportpalast ein fast hysterisches „Ja"entgegen. Sie brüUten auch, als Goebbels sie fragte: „Wollt ihr den totalen Krieg? Wollt ihr ihn, wenn nötig, totaler und radikaler, als vrir ihn uns heute überhaupt erst vorstellen können?" Kurz darauf gab es für die Deutschen den totalen Krieg. Aber ganz anders, als es sich Goebbels - und mit ihm wohl die meisten seiner Landsleute - vorgestellt hatte. Denn der von Berlin und Tokyo ausgelöste Weltenbrand schlug ab 1943 auf seine Verursacher zurück. Und zwar „totaler und radikaler" als jeder militärische Konflikt zuvor. Bis Kriegsende kamen in Deutschland und Japan etwa 2,5 Millionen Zivilisten um, wurden 230 Städte und 850 kleinere Ortschaften bombardiert, wurden zahllose Menschen für immer aus ihrer Heimat vertrieben. Totaler Krieg: Das hieß, die gesamte Bevölkerung und Wirtschaft eines Staates auf die militärischen Bedürfnisse auszurichten - wie es Goebbels verlangt hatte. Das hieß aber auch, Tod und Verderben bis in den letzten Winkel des gegnerischen Territoriums zu bringen, auch zu den Zivilisten. Der Kampf war nicht mehr aufs Schlachtfeld beschränkt. GEDEPOCi Dass Deutschland und Japan derart erbarmungslos niedergerungen wurden, lag zum einen an der Weigerung der Achsenmächte, den spätestens 1944 nicht mehr zu gewinnenden Krieg verloren zu geben - was dazu führte, dass die Alliierten Deutschland zu einem großen Teil zerstören mussten, ehe sich das Reich schließlich ergab. Und über Japan zwei Atombomben zündeten, bis Tokyos Führung kapitulierte. Zum anderen hatten Deutsche und Japaner auf ihren Vormärschen derart barbarische Verbrechen begangen, dass sie für diesen totalen Krieg von ihren Gegnern keinerlei Rücksichtnahme erwarten konnten. Das galt für Briten wie den Luftmarschall Arthur Harris, der die Pläne für die Bombenangriffe auf deutsche Großstädte entwarf, denen ab 1942 Hunderttausende zum Opfer fielen, vorwiegend Frauen, Kinder und Alte. Das galt für die USA, deren Führung keinerlei Bedenken hatte, bei den Atombombenabwürfen Zehntausende ziviler Opfer in Kauf zu nehmen. Und das galt auch für jene sowjetischen Offiziere, die ihre Soldaten ermunterten, an den deutschen Frauen Rache zu nehmen für ihre eigenen Frauen, Mütter und Kinder. Zumal die Sowjetunion in diesem Krieg den höchsten Blutzoll zu zahlen hatte: 27 Millionen Tote, darunter fast 18 Millionen Zivilisten, etwa 70000 Dörfer und Städte zerstört, weite Landstriche verwüstet. Am 2. September 1945 endete der Weltenbrand mit der Kapitulation Japans - und mit ihm der totale Krieg. Seither ist es weltweit zu fast 250 militärischen Konflikten gekommen, vom Korea- bis zum Vietnamkrieg, vom ersten Afghanistankonflikt bis zur Invasion im Irak. Doch eine vergleichbare Radikalisierung der Kriegführung hat es nie wieder gegeben. Ich bin mir freilich nicht sicher, ob das ein Trost ist. Ihr Teil 1 von GiOEPOCHE »Der Zweite Weltkrieg« ist im Juni 2010 erschienen ßi^iUtl

Termékadatok

Cím: GeoEpoche 44. [antikvár]
Kiadó: Gruner+Jahr AG & Co.
Kötés: Ragasztott papírkötés
ISBN: 9783570199091
Méret: 210 mm x 270 mm
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Vélemény:
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