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Allein mit meinen Doppelgängern«
Grosz in seinem Berliner Atelier, 1921
Von Grosz hat sich das Bild des politisch engagierten, soziallritischen Zeichners und Malers verfestigt. Er selbst sah sein Rollenrepertoire weitaus vielseitiger.
An George Grosz läßt sich exemplarisch der Lebenslauf eines Künstlers verfolgen, der in die historische, gesellschaftliche und politische Entwicklung seinerzeit eingebunden ist und auf sie reagiert. Grosz wurde am 26. Juli 1893 in Berlin geboren, drei Jahre nach der Demission Bismarcks. Er erlebte in seiner Jungend das Kaiserreich unter Wilhelm II., meldete sich 1914 als Kriegsfreiwilliger, wurde 1915 als dienstuntauglich entlassen, 1917 wieder einberufen und kurz darauf endgültig ausgemustert. 1918 entstand in Berlin unter dem Eindruck der Novemberrevolution in der Sowjetunion die Künstlervereinigung der »Novembergruppe«, der Grosz beitrat. Ende des Jahres wurde er Mitglied der Kommunistischen Partei. Er gründete 1919 zusammen mit dem Verleger V\/ieland Herzfelde (Malik-Verlag) die Zeitschrift »Die Pleite«, mit Franz Jung »Jedermann sein eigener Fußball« und mit John Hoexter und Carl Einstein »Der blutige Ernst«, Seine scharfen sozialkritischen Zeichnungen erschienen in zahlreichen Publikationen des Malik-Verlages, außerdem veröffentlichte er Mappen und Bücher. Er wurde angeklagt wegen Beleidigung der Reichswehr (1921), Angriffs auf die öffentliche Moral (1924) und Gotteslästerung (1928). 1924 wurde er Vorsitzender der »Roten Gruppe«, der Vereinigung kommunistischer Künstler, Bis 1927 arbeitete er regelmäßig für die satirische kommunistische Wochenschrift »Der Knüppel«. 1927 fertigte er »Hin-tergrunda-Zeichnungen für Erwin Piscators »Schwejk«-Inszenierung. Er war 1928 Mitbegründer der »Association Revolutionärer Bildender Künstler Deutschlands«, genannt »Asso«. 1932 folgte Grosz einer Einladung, in New York an der ArtStudents Leogue als Gastdozent zu lehren, ein Jahr später wanderte er endgültig mit seiner Frau nach Amerika aus.
In den USA begann ein anderer Abschnitt im Leben Grosz', Es wurde oft festgestellt, daß bereits die letzten Veröffentlichungen in Deutschland, beispielsweise »DerSpiesser-Spiegel«, immerhin noch von 1925, oder »Über alles die Liebe« aus dem Jahr 1930 nur noch »milde Satiren bürgerlichen Lebens« gewesen seien' und keine scharfen politischen Stellungnahmen. In der Folgezeit in Amerika ist ein Rückzug zu beobachten, Grosz' Zeitkommentare wurden eher allgemein apokalyptisch, er widmete sich mehr der Landschaftsmalerei, resignierte scheinbar.
Daß diese Resignation im Kern Zynismus war, verdeutlicht ein Zitat aus seiner Autobiographie »Ein kleines Ja und ein großes Nein« (im folgenden immer mit JN abgekürzt), die 1955 erstmals in Deutschland erschienen ist. Grosz berichtet über den Versuch der perfekten Anpassung an seine neue Heimat: »Niemand zu Leide, allen zur Freude-das wurde nun mein Wahlspruch. Die Assimilation ist keine Kunst, wenn man nur erst einmal den stark überschätzten Aberglauben vom >Charakter< überwindet. Mit dem Wort >charaktervoll< bezeichnen wir meist eine starke Unbeugsamkeit, die nicht immer vom Alter herrührt; ein Mensch, der vorwärtskommen will, und auf Geld aus ist, sollte am besten gar keinen Charakter haben. Die zweite Regel, wenn man sich anpassen will: alles schön finden! AHes-auch das, was in Wirklichkeit nicht schön ist. [ ] Eines Tages merkt er, daß tatsächlich alles schön ist- und siehe da, nach ein paar Jährchen