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Vorwort.Au in den Abendstunden des 28. Decemher 1901 Franz Xaver Kraus aus schweren Leiden, aber auch aus iveitaushlickenden litterarischen Plänen in die einige Heimat abberufen tvurde, empfand man neben so vielem Traurigen, das dieser Heimgang verurscochte, die Thatsache besonders schmerzlich, dass sein Hauptwerk, die ,Geschichte der christlichen Kunst', Torso bleiben sollte. Es ivar ein Werk von so ausgeprägt persönlicher Eigenart, dass an eine Fortsetzung kaum zu denken ivar; es ivar aber auch ein Handbuch von solchem praktischen Charakter, dass die Wünsche nach einem völligen Äbschluss sich immer ivieder aufdrängen mtissten. Ihrer Art und Richtung nach ist diese ,Kunstgeschichte' das letzte Facit aus der Entwicklung und den Bestrebungen des Verfassers; sie ist das letzte glänzende Document der Geistesverfassung um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Und schon aus dem< Grunde ist es angebracht, an dieser Stelle einen Blick rückwärts zu iverfen, auf die Einflüsse und die Voraussetzungen, aus denen die geistige Entwicklung .von Kraus, und nicht zum wenigsten auch seine ,Geschichte der christlichen Kunst', hervorgegangen ist; ganz abgesehen davon, dass es sich geziemt, nach Äbschhiss des Werkes, dem seine letzten Sorgen und Interessen gehörten, eine Rose auf sein frühes Grab zu legen.Kraus ^ pflegte gerne die Beobachtung zu wiederholen, dass es für die künftige Lebensrichtung eines Menschen von höchster Bedetdung sei, an welchem Orte er aufwachse und seine ersten Eindrücke empfange; und wenn er dabei auf die wichtige Einivirkung von geschichtlichen Monumenten und den Einfluss der Atmosphäre einer grossen Vergangenheit auf das weiche Kindesgemüth himvies, so fühlt man unwillkürlich in seinen Worten ein Stück Selbstbekenntniss durch. Er hatte das Glück, an einem Orte den ersten Blick ins Leben thun zu dürfen, an dem die scheidende Antike mit ihrer heldenhaften Grösse und das Mittelalter mit seinen glanzvollsten und reichsten Gaben noch zum. Menschen sprechen; aber auch an einer Stätte, an der ztvei Ragen, die germanische und die romanische, leichten Austausch halten und ihre Eigenarten nur zu oft den leicht empfänglichen Grenzbewohnern einprägen können. Trier, ivo Kraus am 18. September 1840 geboren ivurde, ivar seine bis übers Grab hinaus schwärmerisch geliebte Heimat, ein Maler sein Vater. Die grossen und erhebenden Eindrücke, die von den Monumenten aus einer rasch verblichenen Glanzperiode dieser Bömerstadt ausgingen, das Beispiel und die Ermunterung, die er empfing von Männern ivie dem Domherrn V. Wilmoivsky, dem Baron de lioisin, der Sinn für das Schöne in Farben und Linien, den die Ateliers der begabten in Trier lebenden Düssel-' Wir folgen hier zum Theil unsern Amfülirungen, die wir in dem Nekrolog auf den Hingeschiedenen in der ,Kunstchronik', N. F. XIII (1902) 225 ff., niedergelegt haben.