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Vorwort
Ich beende diese Darstellung der Geschichte Deutschlands in meinem fünfundsiebzigsten Lebensjahr. Meinen Lebenslauf könnte ich abkürzend so beschreiben, daß ich in den ersten fünfzehn Jahren meines Lebens Deutscher und in den darauffolgenden sechzig Jahren Franzose gewesen bin. Als Soldat, Resistance-Kämpfer und Deportierter (nach Dachau) stand ich in dem letzten großen Kampf zwischen Deutschland, dem Land meiner Väter, und Frankreich, das zum Vaterland meiner Söhne wurde. Damals waren mehr als nur zwei Nationen gegeneinander angetreten, es war ein großer internationaler Bürgerkrieg zwischen widerstreitenden Ideologien, Weltanschauungen und Wertesystemen. Um an diesem Kampf teilzunehmen, hatte ich im Sommer 1940 ein amerikanisches Visum ausgeschlagen, für das nach der Niederlage Frankreichs mancher Flüchtling aus Deutschland viel gegeben hätte. Ich war aber der Meinung, man dürfe den Kampf gegen die nationalsozialistische Gewaltherrschaft, zu deren ersten Opfern meine Familie gehörte, nicht anderen überlassen. Aus der gleichen Haltung habe ich gleich nach meiner Rückkehr aus Dachau in einem Ardkel in der Zeitschrift »Esprit«, die nach fünfzig Jahren Geschichte heute immer noch erscheint, die Ansicht vertreten, daß die Sieger - also auch und vor allen anderen Frankreich, denn als Nachbarland hatte es von alters her im Vergleich und in der Auseinandersetzung mit Deutschland und den Deutschen gestanden - künftig die Verantwortung für das deutsche Volk tragen. Ich war immer der Meinung, daß wir im Laufe unseres Lebens Gaben - in der Bibel ist von den »Pfunden« die Rede, mit denen »gewuchert« werden soll -, aber auch Pflichten erhalten: Als Bewohner der Grenze zwischen beiden Kulturen fühlte ich mich zum Dolmetscher und Vermittler berufen. Ich wollte dabei mithelfen, daß ein von seinen Dämonen befreites Deutschland und ein Frankreich, das in Niederlage und Sieg gleichermaßen Größe und Maß bewahren sollte, nun gemeinsam für die Menschenrechte, die Demokratie, die bürgerlichen Freiheiten und die Freiheit schlechthin kämpften.
Deswegen habe ich mich, sobald sich die Gelegenheit bot, für den Aufbau eines demokratischen Deutschland engagiert, eines Deutschland in der Tradition seiner großen humanistischen Geister Kant und Goethe