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VorwortJede Wissenschaft hat ihren Zweckgedanken, ihr gewiß manchmal unbewußtes, häufiger jedoch ihr bewußtes Ziel. Der Zweckgedanke bei jeder Art Kulturgeschichts Schreibung ist letzten Endes pädagogisch; sie will also nicht bloß Neugiersbefriedigung in edler Form sein. Bildung und Erziehung durch Vertiefung und Klärung der Erkenntnis von den speziellen Bewegungsgesetzen des Geschehens, das ist ihr Ziel. Und zwar Bildung und Erziehung der für den ewigen Neuaufbau und Weiterbau der Gesellschaft unent behrlichen Volksteile. Kulturgeschichtliche Erkenntnisse werden darum am fruchtbarsten, wenn sie in recht weite Kreise dringen. Der Kulturgeschichtsschreiber, der es mit seiner Forschung ernst nimmt, muß stets für die Massen schreiben. Kulturgeschichte, und was zu ihr gehört, ist keine Geheimwissenschaft für einen engen Kreis von Spezialisten. Hier muß sich Jeder zur Tafel setzen dürfen, der sich für seine Zeit und ihr Geschehen verantwortlich fühlt. Dieses Programm und diese Einsicht werden jedoch gänzlich wirkungslos in einem Gesellschaftszustand, wo man tatsächlich die von Tag zu Tag un* heimlich fortschreitende Verarmung aller Schaffenden feststellen kann, und wo nur die skrupellose Geldmacherei auf Kosten der Arbeitenden im Besitz bleibt und zu neuem Besitz kommt. Die Repräsentanten eines solchen Prinzips waren aber niemals Träger und Förderer einer höheren Moral. Aus solchen Feststellungen ergeben sich für den Forscher zweifellos die geringsten Antriebskräfte und die größten Hemmungen für dasV