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NOTWENDIGE VORBEMERKUNG
Dieses Buch ist für eine Generation geschrieben, die sich als kritisch oder „respektlos" einschätzt und nicht nur wissen will, was ein mehr oder minder berühmter Philosoph einst gelehrt hat. sondern warum er entsprechend seiner Lehre so (und nicht anders) gedacht hat. Das „Was" läßt sich auswendig lernen, auch wenn man es nicht begriiien hat; aber das „Warum" verlangt eigenes, folgerichtiges Denken, weitgefächertes Geschiditswissen, Einsicht in übergreifende und durchgängige Zusammenhänge.
Uns interessiert hier beides, das „Was" und das „Warum", jedoch das Warum etwas mehr als das Was. Denn wenn man erst die Voraussetzungen kennt, aus denen heraus ein Systemdenker seine Welterklärung entwickelt hat, dann kann man es im Prinzip leicht verstehen, geistig nachvollziehen, ja, es sogar größtenteils selbst herleiten. Ob man ihm dann auch zustimmen mag und ob heutzutage sich jene früheren Welterklärungssysteme überhaupt nodi halten lassen, das freilich sind berechtigte Fragen, um die man schon deshalb nicht herumkommt, weil man anspruchsvoll audi von der Philosophie sagen muß: „Nostra res agitur."
Der Sinn und Zwedc dieses Buches erschöpft sich also keineswegs in der analytischen Wiedergabe bestimmter Welterklärungssysteme, deren Urheber wir eben ihrer Systeme und ihrer ungewöhnlich weitreichenden Wirkung wegen „groß" nennen; vielmehr soll der Leser auch in philosophisches Denken eingeführt und eingeübt werden, so daß er fortan selbständig zu philosophieren und philosophische Leistungen selbständig zu beurteilen vermag.
Darum ist hier von Anfang an der größte Wert auf die Darstellung übergreifender und durchgängiger Zusammenhänge gelegt worden. Ihnen wurden Einzelheiten so eingeordnet, daß sich Chronologie und Systematik vielfach kombinieren ließen. Auch die schwierige Auswahl dessen, was überhaupt zu behandeln oder wenigstens anzutippen sei, wurde meistens im Hinblick auf historische Zusammenhänge getroffen, von denen wir mit unserer geistigen Welt noch heute in beträchtlichem Umfang abhängen.
Allerdings ist es wohl zweifelhaft, ob sich die herkömmliche Philosophie in Zukunft fortsetzen oder gar erneuern läßt. Vielleicht wird man den vieldeutigen, von seiner Geschichte übermäßig belasteten Ausdruck „Philosophie" eines Tages nur noch auf vergangene Denkarbeit aus den Jahrtausenden anwenden, in denen sich Philosophen und Theologen um den Vorrang stritten. An dieser alten Streitsituation hängt aus vielen Gründen und in vieler Hinsicht auch die moderne Fachphilosophie. Jedenfalls kann man bis heute nicht gänzlich außerhalb der Philosophiegesdiichte philosophieren und nicht unabhängig von früheren Philosophen. Wollte man der Tradition und ihrem geistigen Zwang entgehen, dann müßte man, um eine inhaltlich neue Philosophie auf-