Bővebb ismertető
VORWORTkiese Geschichte der bildenden Kunst beabsichtigt, ein Gesamtbild der 'Entwicklung zu geben. Neu und grundlegend an ihr möchte sein, daß sie das, was in großen, vielbändigen Kunstgeschichten von verschiedenen Autoren bearbeitet ist und notwendig zu verschiedenen Standpunkten führt, aus einer einzigen Erfahrung und Überzeugung heraus zu gestalten versucht. Statt ermüdender Aufzählung vieler unzusammenhängender Tatsachen, die dem Laien nur totes Wissen vermittelt und nichts sagt, bestenfalls ein Nachschlagewerk bietet, soll hier in lesbarer Darstellung die Entwicklung der Kunst erfaßt werden als ein sinnvoller Verlauf geistigen lyebens. Da dieser Verlauf von den Aufgaben und Problemen der heutigen Zeit her gesehen wird, ist auch das Gesamtbild dieser Entwicklung, ihre Gliederung in Stilepochen, die Würdigung der Kunst der Zeiten und Ivänder neu und abweichend von bisher maßgeblicher Auffassung. Unser Standpunkt ist ein sachlicher. Wir können deshalb die Kunstgeschichte nicht mehr ansehen als eine Geschichte rein formaler Werte, d. h. als eine Entwicklung des von allen Zeitbedingtheiten unabhängigen künstlerischen Sehens. Alle Formen werden aus dem I^ebensgehalt einer Zeit heraus geboren; beide sind unlöslich miteinander verbunden. Die in der Kunst einer Zeit dargestellten Inhalte sind deshalb ebenso wichtig wie die sichtbare Erscheinung und die künstlerische Ausdrucksweise, in der sie sich darbieten. Ebenso empfinden wir es als eine Forderung moderner Sachlichkeit, jede Zeit aus sich heraus zu beurteilen und ihr historisches Eigenrecht um so mehr zu betonen, je mehr wir für die heutige Zeit das Recht auf eine eigene Kunst verfechten. Jede Zeit hat ihre Kunst, und jede Kunst hat ihre Zeit. Wir lehnen es ab, irgendeine Epoche als den vorbildlichen Höhepunkt der Kunst überhaupt zu betrachten und von der Kunst unserer Zeit zu verlangen, daß sie auf den Krücken der Vergangenheit in die Zukunft hineinschreite. Wohl aber liegt uns daran, aus der sinnvollen Entwicklung heraus ein Verständnis unserer Zeit zu gewinnen und sie als ein notwendiges Ergebnis des Gesamtverlaufes zu begreifen. Unter sinnvoller Entwicklung verstehen wir nicht eine Konstruktion des geschichtlichen Ablaufs nach abstrakten Begriffen und vorgefaßten Meinungen, sondern das Ergebnis von Erfahrungen. Diese lehren, daß alles in der Einmaligkeit des historischen Verlaufes nach vorwärts und rückwärts unlösHch miteinander verkettet ist und daß alles Künftige ein anderes Gesicht haben muß als alles Vergangene, weil es mehr von Voraussetzungen als dieses Vergangene in sich aufgenommen und verarbeitet hat. Um diese Verkettung der Ereignisse im ganzen zu übersehen und ein Gesamtbild zu empfangen, müssen wir so weit von den einzelnen Ereignissen zurücktreten, daß, wie in einer I,and-schaft, nicht mehr die Einzelheiten der Vegetation, sondern die individuelle Physiognomie der ganzen Gegend erfaßt wird. Auf diese Überschau, auf das Gesamtbild kommt es uns an.Dennoch sind die großen Meister so herausgehoben, daß sie wie es nicht anders sein kann als Repräsentanten ihrer Zeit und der Menschheit dastehen. Der kunstgeschichtlich weniger Vorgebildete wird deshalb guttun, mit der