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Vorwort
In diesem Buch wird die Geschichte einer deutschen Partei dargestellt, die vor einem halben Jahrhundert schmählich und schändlich endete. Sie war von den alliierten Mächten, die im besetzten Deutschland die Regierung übernahmen, augenblicklich verboten worden. Ihre Mitgliedschaft, schließlich auf geschätzte 8 Millionen angeschwollen, schien da schon in alle Winde zerstoben. Für die exponiertesten Führer bestimmten Gerichtshöfe den Strang oder langjährige Haftstrafen. Andere entgingen der Aburteilung, indem sie wie der oberste Parteiführer selbst Hand an sich legten. Hunderte versteckten sich im eigenen Lande oder flohen ins Ausland. Tausende Funktionäre fanden sich in Internierungslagern wieder. Zehntausende hatten sich vor Kommissionen einzufinden, die sie in die mehr oder weniger folgenschweren Kategorien von „Hauptbelasteter" bis „Mitläufer" einordneten. Befürchtungen, daß Teile dieser Partei illegal fortleben könnten, erwiesen sich als gegenstandslos. Ideologisch, politisch, organisatorisch und vor allem auch moralisch war sie vollkommen bankrott. Die Deutschen hatten von ihr übergenug. Denn durch sie war das Land in eine Katastrophe gestürzt worden, die geschichtliche Vergleiche vergeblich suchte.
Heute, am Jahrhundertende, sind die Mitglieder dieser Partei, die zwischen 1920 und 1945 existierte, bis auf einen geringfügigen Rest nicht mehr am Leben. Dennoch scheinen „die Nationalsozialisten", Hitlers Gefolgschaft, von Josef Goebbels einst selbst - einen Begriff ihrer Gegner aufnehmend - Nazis genannt, noch immer allgegenwärtig zu sein. Täglich rücken Zeitungen und Zeitschriften, Kino- und Fernsehfilme sie in langen zivilen und uniformierten Reihen ins Gesichtsfeld. Geredet, geschrieben und gestritten wird über individuelle und gemeinschaftliche Schuld für Krieg und Vernichtung, Gewalttat und Massenmord. Die Deutschen sind nicht an das Ende ihres langen Abschieds von jenen Jahren ihrer Geschichte gelangt, in denen sie in Europa und über die Grenzen des Kontinents hinaus im Zeichen des Hakenkreuzes so viel Unheil angerichtet hatten.
Fällt heute der Begriff „Nationalsozialisten", wird häufig nicht gesagt, wer eigendich gemeint ist. Die Kennzeichnung verkommt - und nun zum zweiten Mal - zunehmend zu bloßer Sprachfloskel, mit der Nachdenken mehr blockiert denn befördert wird. Die Geschichtsschreibung in Deutschland hat zu wenig getan, dem entgegen zu wirken. Mit der seit Jahren produzierten Überfülle an Untersuchungen, deren Gegenstand einzelne