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Über dieses Buch
Seit zehn Jahren ist diese Geschichte der Weltliteratur das Standardwerk für jeden, der sich - vor den vielbändigen Literaturgeschichten entmutigt - mit Hilfe von großen, klärenden Zusammenfassungen einen Überblick über diesen gewaltigen Stoff verschaffen will. Ungezählte Leser haben hier erfahren, wie ihnen die Darstellungskunst des Verfassers Epochen und Gestalten der Weltliteratur plötzlich lebendig werden läßt, wie Zusammenhänge sichtbar werden, ungeahnte Reichtümer sich auftun und Wege, sie zu erschließen. Ein kluges Vorwort definiert den Begriff der Weltliteratur und gibt einen Einblick in die Probleme und Grundfragen der Literatur-Geschichtsschreibung.
«Nationale Literatur will jetzt nicht viel sagen, die Epoche der Weltliteratur ist an der Zeit», konstatierte schon Goethe, und seitdem hat Literatur von Weltrang und Weltwirkung aus den fernsten Ländern der Erde für uns eine ungeahnte Nähe gewonnen. Daraus ergeben sich neue Kenntnisse und Erkenntnisse, neue Einblicke auch in die weltweite Gemeinsamkeit der großen menschlichen Grundthemen. Diese Weltgeschichte der Dichtung aller Zeiten und Völker, für einen breiten Leserkreis bestimmt, ist ein Handbuch im besten Sinne.
Vorwort
Um den rechten Standpunkt für die Benutzung dieses Buches zu gewinnen, sei auf den Titel aufmerksam gemacht. Es handelt sich um eine entwicklungsgeschichtliche Darstellung; alle Einzelheiten werden mithin in übergeordneten Zusammenhängen betrachtet. Als Nachschlagewerk wird diese Historie erst dann dienen können, wenn man jene allgemeinen Linien des Ganzen als ein Ganzes verfolgt hat.
Dem Versuch, Geschichte der Weltliteratur zu schreiben, muß eine Klärung des Begriffes «Weltliteratur» vorangehen. Außerdem ist es erforderlich, sich von der Möglichkeit, Weltliteratur geschichtlich zu erfassen, genauere Vorstellungen zu machen. BeideThemen-Weltlite-ratur und ihre Geschichte - stehen aber in einer inneren Beziehung. Bereits hellenische Grammatiker haben die griechische Literatur geschichtlich gesehen und geschildert. Ihr Verfahren wurde nach dem Niedergang der antiken Kultur fast anderthalb Jahrtausend jedoch kaum noch als Praxis einer historischen, sondern meist einer scholastischen Methodik fortgesetzt. Vereinzelte Bemerkungen bei Autoren dieses Zeitraums abgerechnet, nahm man die Wortkunst nicht als ein Phänomen, das sich nach und nach wandelt oder verwandelt, sondern als eine Fähigkeit, die formalen Gesetze der Beredsamkeit auf verschiedene Weise zu erfüllen und ihr, gewissermaßen als eine Idee, so weit wie möglich nahezukommen. Der Geschichtssinn hat sich im Abendlande so, wie wir ihn heute betätigen, erst wieder in der Renaissance geregt. Die Meinung, daß der moderne Mensch auf Grund seiner hochdifferenzierten Geschichtsforschung das Wesen der Literatur, unter der in diesem Buche fast ausschließlich die Dichtung zu verstehen ist, intimer kenne, ist etwas voreilig: niemand vermag heute vorauszuschauen, ob sich in fünfhundert oder tausend Jahren nicht ein ganz anderer Begriff von Geschichte und Geschichtsmethode herausbilden wird -vielleicht muß überhaupt das historische Weltgefühl einem ahistorischen weichen, sollen sich neue, absolut geltende und allgemein geglaubte Ideen als neue Universalien herausbilden. Denn die Literatur nimmt als Kunst am Historischen auf eine widersprüchliche Weise teil. Mit dem Gedanken einer geschichtlichen Folge verquickt sich oft, bewußt oder unbewußt, der Gedanke eines Fortschreitens, wohl gar einer Qualitätssteigerung. Soweit aber ein Literaturwerk dem Bereiche des Musischen angehört, hat es mit Fortschrittlichkeit nichts zu schaffen, sondern allein mit Vollkommenheit. Der ungeschichtliche, ideenhaft universalistische Stand-