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Vorwort
»Was heißt und zu weichem Ende studiert man Universalgeschichte?«, fragte sich Schiller in seiner berühmten Antrittsvorlesung 1789, im Jahre der Französischen Revolution. Dem Optimismus der Aufklärung entsprechend, blieb Schiller die Antwort nicht schuldig. Weltgeschichte sei die Geschichte der Menschheit und ihres Fortschreitens zur Wahrheit, Sittlichkeit und Freiheit, der Wandel vom Dunklen zum Hellen, von der Barbarei zur Vernunft und Zivilisation.
Heute sind wir bescheidener geworden. Wir wissen um die Relativität aller geschichtlichen Ereignisse, um die Problematik, die Vielfalt und Stoffülle einzugrenzen und darzustellen, sie einzuordnen und zu periodisieren. Wir wissen, daß die Richtung des Weltverlaufs in den wechselnden Menschheitsabschnitten unterschiedlich bewertet wurde. Im nicht-christlichen Altertum glaubte man an einen kreisförmigen Weltgang: alles wiederhole sich nach längeren Zeiträumen aufs gleiche. Das Mittelalter, seit der jüdisch-christlichen Antike, sah einen zielgerichteten Ablauf von der Schöpfung bis zur Wiederkehr Christi. Die Neuzeit übernahm diese lineare Sichtweise und »verweltlichte« sie. Das Grundmuster dieser entchristlichten Endzeitvorstellung reicht über Marx zu seinen heutigen Jüngern, die annehmen, die geschichtliche Entwicklung führe zwangsläufig zum irdischen Paradies der klassenlosen Gesellschaft.
Daneben wurzelt seit dem frühen 19. Jahrhundert die Anschauung, die Geschichte habe kein sicher erkennbares Übermorgen, aber ein erkennbares Gestern, und dieses gelte es zu beschreiben. Ranke wollte »die Mär der Weltgeschichte« auffinden und lediglich erzählen, »wie es eigenthch gewesen«. Sicher-hch kommt diese betonte Ideologie-Freiheit der Wirklichkeit - relativ - am nächsten. Daher bleiben Rankes Denkansatz und seine historiographische Schule weiterhin bestimmend.
Ebenfalls aus diesem Ansatz ergibt sich der schon in der Antike betonte Wert der Geschichte, die Überzeugung, daß die Vergangenheit wegweisenden Lehrstoff enthalte. Wenn auch nie die gleichen Konstellationen deckungsgleich wiederkehren, so hebt die Historie es doch, ihre Grundmuster zu kopieren. Darin jedenfalls hält sie mannigfache Erfahrungen und Warnungen für aufmerksame Nachlebende bereit. Dazu kommt unwiderlegbar, daß sie aus unendlichen Mischungen die Gegenwart herausdestilliert hat. Geschichtslos dahinzu-wandern, das ist, als sei einem das Erbgut gleichgültig, aus dem das Jetzt und Heute geworden ist. Geschichte, dieses ungeheure Panorama, dient nach einem Wort Golo Manns dazu, »daß wir in ihr den Menschen kennenlernen und dadurch auch uns selber«.
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