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VORWORT
In den Jahren 1914 bis 1919 ist in Österreich eine Unmenge von Zeitschriften- und Zeitungsaufsätzen, Broschüren und Schriftenreihen entstanden, die der harrenden Bevöllserung die „wahren Zusammenhänge" des Krieges enthüllen und erklären sollte. Dieses bisher wenig beachtete Material bildete den Ausgangspunkt für eine Untersuchung, die zunächst den Beitrag österreichischer Historiker zu dieser Kriegspublizistik feststellen sollte. Darüber hinaus sollte auch noch versucht werden, die politische Haltung der österreichischen Historiker während des Ersten Weltkrieges möglichst weitgehend zu klären.
Es zeigte sich, daß nur wenige österreichische Historiker politischpublizistisch stärker hervorgetreten sind, während ein großer Teil der Gelehrtenschaft sich jeder politischen Stellungnahme und Betätigung enthielt. Die politische Haltung dieser vorwiegend der Forschung zugewandten Wissenschaftler läßt sich deshalb auch nur schwer — wenn überhaupt — rekonstruieren oder darstellen. Verallgemeinernde Urteile darüber erscheinen vorläufig nur in sehr beschränktem Ausmaß vertretbar.
Immerhin ergaben sich bei der Durchsicht des Materials einige bemerkenswerte Schwerpunkte, vor allem die politisch-publizistische Aktivität Heinrich Friedjungs, auf die in dem zweiten Teil des Buches näher eingegangen wird. Sicherlich kann man bei den hier behandelten Repräsentanten der österreichischen Historikerschaft Gemeinsamkeiten und Berührungspunkte feststellen, doch verdienen die deutlich zutage tretenden Verschiedenheiten zumindest die gleiche Beachtung.
Gleichzeitig muß betont werden, daß die vorliegende Studie keinen Anspruch auf umfassende Behandlung ihres Gegenstandes erheben darf. Hier muß auf die Unvollständigkeit des Quellenmaterials hingewiesen werden, das eine ausreichende Beschreibung der politischen Haltung vieler der hier behandelten Historiker in den vier Weltkriegsjahren unmöglich machte. Die Nachlässe vieler Gelehrten blieben unzugänglich, wurden als verschollen angegeben, ebenso wurden — wie im Fall Ludwig Bittners — Briefschaften und Aufzeichnungen selber zum Großteil vernichtet. Deutlich machte sich auch das Fehlen eingehender Monographien bemerkbar.
Immerhin sollte mit der vorliegenden Studie versucht werden, die Diskussion über den Zusammenbruch des alten Habsburgerreiches durch das Ausbreiten von Belegen zu beleben, die als Fakten der