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Vorwort
Am 4. Juni dieses Jahres werden es zwei Jahrhunderte, seit einer der berühmtesten Repräsentanten der vorrevolutionären Gesellschaft des 18. Jahrhunderts, Giovanni Giacomo Casanova, seinen Lebenslauf im nordböhmischen Duchcov beendete. Weit von seiner Vaterstadt Venedig fand er seine ewige Ruhe im Lande, das ihm nicht so viel Sonne und Wärme vergönnte wie seine Heimat, das ihm jedoch - trotz allen Peripetien - nach seinem bewegten Leben dreizehn Jahre relativen Wohlstands, gesellschaftlicher Anerkennung tind besonders die Möglichkeit produktiver literarischer Tätigkeit versicherte. So ist die objektive WirkUchkeit, zwar nicht von seiner eigenen Äusserung bekannt, sondern von indirekten Zeugnissen, was die Zahl der Schriften und seine reiche Korrespondenz, die in Duchcov zu dieser Zeitspanne entstanden sind, bestätigen.
Trotz aller Gastfreundschaft, die ihm Nordböhmen und besonders Duchcov geboten hat, hat sich Casanova als kein dankbarer Gast erwiesen. Seine seltenen Erwähnungen über seinen hiesigen Aufenthalt smd fast alle negativ. Die berühmten Mewo/re«, die er m Duchcov geschrieben hat, enden mit dem Jahre 1776, und mit der Beschreibung der weiteren Jahren, das heisst auch mit dem Duchcover Aufenthalt, wollte er die Leser nicht langweUig machen, wie er sich selbst äusserte. Und weil für die Öffentlichkeit und viele Forscher (üt Memoiren die Hauptquelle der Kenntnisse über Casanovas Leben vorstellen, entziehen sich die dreizehn Duchcover Jahre unbegründet der näheren Aufmerksamkeit.
Diese Tatsache leitete die Verleger zum Vorhaben neue Erkenntnisse der bis jetzt wenig bekannten Zeitspanne Casanovas leben zu vermitteln. Dank der bereitwühgen IVlitarbeit führender tschechischer und deutscher Spezialisten kann das Regionalmuseum Tephce in diesem Sammelband sechs Beiträge, die die neue Ansichten auf das leben, Denken und die schöpferische Tätigkeit in den letzten Jahren diesser aussergewöhnlichen Persönlichkeit der Öffenthchkeit vorlegen. Das Regionalmuseum erlaubt sich auch der Leimngen des Staatschlosses Duchcov und des Stadtmuseums Duchcov für die freudige Hilfe bei der Herausfindung des ikonographischen Materials Dank zu sagen.
Die unbarmherzige Zeit hat alle materielle Spuren von Casanovas Duchcover Aufenthalt weggelöscht. Sein Geist lebt hier trotzdem im Bewusstsein der hiesigen Einheimischen sowie allen derer, die hier in immer höherer Zahl herkommen, um der grossen PersönÜchkeit, die das Ende emer Epoche der Geschichte der Menschheit repräsentiert, zu gedenken.
Der Verleger