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PUCCINI — EIN PROBLEM?
Kaum ein zweiter Opernkomponist der jüngeren Vergangenheit ist bei den Musikliebhabern in aller Welt derart beliebt und erfolgreich wie Giacomo Puccini (in Deutschland erreicht er neben Verdi und Wagner die höchsten Aufführungsziffern), aber kaum ein anderer wurde auch so heftig angegriffen und von den musikalischen Fachleuten so wenig ernst genommen wie er. Selbst heute noch, im Jahre 1957, läuft der Autor eines Puccini-Büchleins (das sich zudem an einen sehr breiten und unvoreingenommenen Leserkreis wendet) Gefahr, in Fachkreisen belächelt zu werden, und das ausschließlich wegen seiner Stoffwahl.
Den unbefangenen Leser und Opernliebhaber nimmt das vielleicht wunder. Aber gerade Puccinis außerordentliche Erfolge und seine Volkstümlichkeit waren es, die — verbunden mit einer gewissen scheinbaren Leichtigkeit und Oberflächlichkeit seiner kompositorischen Gebärde — ihm speziell in Deutschland (dessen Opernschaiien noch im Banne des Wagnerschen Musikdramas stand) zum Rufe eines Scharlatans verhalfen, der mit unlauteren und zweifelhaften Mitteln die Nerven seines Publikums aufstachelt und es mit den Narkotika seiner Musik berauscht.
Hier soll keinesfalls der Versuch einer „Ehrenrettung" Puccinis unternommen werden. Das hat er längst nicht