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Vorwort
Ein Geheimnis des christlichen Glaubens ist, dafi er stets danach trachtet, in reichem Mafie gerade das zu geben, woran es ihm selbst jeweils mangelt. Darum wagen Christen zu trösten, obwohl sie selbst verzwei-felt sind; zu lieben, obwohl ihnen selbst mehr zum Hassen zumute ist; Hofínung zu weclcen, obwohl sie selbst verzagt sind, und unter dem Schreclcen des Todes an das Leben zu glauben. Von wenigem wird viel ver-schenkt. Mit fünf Broten und zwei Fischen speiste Jesus 5000 Menschen.
Psychologen und Soziologen, Mediziner und Theolo-gen sind sich heute darin einig, dafi das Verháltnis zum Tode eine der schwáchsten und empfindlichsten Stel-len des modernen Menschen ist. Mit der Tatsache, dafi wir sterben müssen, kommen wir immer schlechter zu-recht. Gerade an dieser Stelle zu helfen, ist die Absicht des Buches. In Anbetracht ihrer eigenen Ratlosigkeit versuchen die Verfasser der Gebete das Beste zu geben. Hier geht keiner dem anderen voraus, sondem im Bliclc auf den Tod tastet jeder zaghaft und ángstlich nach dem Arm des Náchsten.
Das grofie Vorbild der christlichen Beter aller Zeiten sind die Psalmen. In ihnen gibt es keine einheitliche Ausrichtung. Sie wechseln standig zwischen Klage und Lob, zwischen Frage und Antwort. Jesus starb mit den Worten des 11. Psalms: »Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?« Der folgende Psalm ist der 23.: »Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln.« In dieser Sammlung ist es áhnlich. Bei einigen steht die Frage, einmal die völlig verzweifelte, im Vordergrund. Die anderen versuchen, die Antwort zu geben. Beides gehört im Beten des Christen zusammen. Als Beter tragt jeder Autor die volle Verantwortung für seine Worte. Es gab für den Inhalt keine Richtlinien,