Bővebb ismertető
i^iijic uiiairc ciitstciii
Werkstattbesuch
In den Bau von Musikinstrumenten wurde viel hineingeheimnist. Vielleicht deshalb, weil es uns Zuhörern immer wie ein Wunder erscheint, wenn so ein zwar wohlgeformtes und -konstruiertes, aber eben doch ein Stück Holz mit ein paar Darm-, Stahl- oder Perlonstrippen zu klingen beginnt.
Gewiß gehört auch ein talentierter Spieler dazu, um eine Geige oder Gitarre lebendig werden zu lassen. Doch könnte der etwa aus einem schlechten Instrument gute Musik hervorzaubern? Und hörte man nicht andererseits, daß ein mittelmäßiger Musikant mit einem Meister-Instrument seine «schwachen Stellen» glänzend überspielte?
Wo also liegt das Geheimnis des Instrumentenbaus?
«Das meiste ist Quatsch», sagt Adolf Meinel und lächelt geheimnisvoll, als er meine enttäuschte Miene sieht.
Ich sitze auf einem alten Schemel in der Werkstatt eines unserer besten Gitarrenbauer. Markneukirchen, Albert-straße 23. Die Anschrift ist ein Begriff bei den Gitarristen - nicht nur in der DDR. Ein Meinel-Instrument zu besitzen gilt als erstrebenswertes Ziel. Allein während meines Besuchs wird der Meister dreimal hinausgeklingelt, weil jemand eine Gitarre vorbestellen oder eine bestellte abholen möchte. Sollte das «gewisse Etwas» einer traditionsreichen Werkstatt tatsächlich «Quatsch» sein?
Bei Adolf Meinel riecht es wundervoll nach Holz und Lack. Auf den vier Hobelbänken stehen Töpfe und Gläser herum. An den Wänden sind Sägen, Hobel und Zwingen aufgereiht, die teilweise noch vom Großvater stammen. Denn der hat die Meinel-Tradition um
die Mitte des vorigen Jahrhundens als Zitherbauer begründet, wenn man nicht schon den Urgroßvater, der sich in Markneukirchen als Tischler niedergelassen hatte und nebenbei Geigen baute, als Stammvater der Familiendynastie ansehen will.
Und über uns: der Gitarrenhimmel. An Stangen und Haken hängen halbfertige Instrumente. Stumme Gitarrenleiber, in die soeben eine Seele schlüpft. Daß es in diesem Hause, je höher man steigt, noch weit himmlischer wird, erfahre ich bei einem Rundgang durch das alte Gebäude.
Im ersten Stock liegt das Kontor. Hier bewahrt Adolf Meinel seine drei «Versuchsinstrumente» auf und einen dicken Ordner mit Aufzeichnungen, die er wie ein Tagebuch hütet (ganz ohne Geheimnisse geht es also doch nicht ab!).
Auf dem Dachboden sind die wertvollen Hölzer gestapelt. Einige für den Zitherbau geeignete Stücke lagern hier seit 1934 und noch länger, nämlich seit der Zeit, als der Vater, Friedrich Adolf Meinel, noch die Werkstatt führte und Adolf Richard als Geselle bei ihm arbeitete. Hier, der Posten Gitarrendecken stammt ebenfalls aus dieser Zeit. «Und diese Leisten hab' ich noch als Stift zugeschnitten», erinnert sich der Meister und freut sich über mein anerkennendes «Ah» und «Oh».
In einer Ecke liegt eingepackter Pali-sander aus Ostindien. Daneben Tuja-Furnier - eine Seltenheit in diesen Abmessungen. Ich denke an meine dünn-zweigige Hecke zu Hause und staune.
Wird nun hier oben, im trockenen Dunst des Hausbodens, unter mal sonnenheißen, mal schneebedeckten Ziegeln über die Qualität des späteren Instruments entschieden?