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Der musikalische Genius tut sich auf mannigfaltige Weise kund. Da gibt es die natürliche Begabung Mozarts, der alles konnte, ohne es zu lernen, und der deshalb keine Fortschritte zu machen brauchte, weil er von vornherein die Vollkommenheit besaB. Dann gibt es die intellektuelle Art Debussys, der über seine Kunst nachdachte und ásthetische Absichten mit seiner Inspiration verband - áhnlich wie bei Messiaen, der es mit fünfunddreifiig Jahren wagte, ein Werk mit dem Titel Technik meiner musikalischen Sprache zu veröffentlichen. Weiter gibt es die literarische Art Wagners und Berlioz', die ihr Musikerhandwerk den Imperativen auBermusikalischer Bestrebungen unterordneten. Es gibt die gequalte Art eines Beethoven, der, in seiner Taubheit eingemauert, verzweifelt eine unmögliche Leistung zu vollbringen suchte. Ferner die unbekümmerte und ungezwungene Art Rossinis, der ebenso stolz darauf war, den Tournedos erfunden zu habén, der seinen Namen trágt, wie darauf, daB er den Barbier von Sevilla geschrieben hat. Und schlieűlich gibt es Verdis Art. Es ist die eines erdverhafteten Menschen, eines Bauern, der Jahr um Jahr sieht, daB seine Arbeit Früchte trágt, und der im SehweiBe seines Angesichts seinen Wohlstand taglich ein wenig vermehrt und sich am Abend die Hánde reibt, wenn er die Abrechnung macht. Die musikalische Gabe besaB Verdi übrigens von Geburt an - wie all die andern; Klugheit hatte er weder zuviel noch zuwenig: in dieser Hinsicht befand er sich auf halbem Wege zwischen der bisweilen kindlichen Naivitat Mozarts und der listigen Schlauheit Rossinis; seine Stárke jedoch waren neben der ungewöhnlichen Arbeitskraft die Ausdauer und eigensinnige Hartnáckigkeit; diese ermöglichten erst die Verwirklichung jenes wunderbaren Romans, den das Leben Giuseppe Verdis darstellt. 3