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Die geologischen Grundlagen des Oberschlesischen Steinkohlenbeckens. Von Professor Dr. Die unerwartet sehnelle Überführung des noch vor wenigenMonaten das scliwerindustrielie Herz des polnischen Staates bildenden hochentwickelten ostoberschlesischen Industriebezirks in das GroBdeutsche Reich hat die Aufmerksamkeit aller in Wirtschaft und Technik Tatigen auf das ostsudetische Kohlenbecken hingelenkt. Mit ganz besonderer Freude ist dieses Ereignis vom deutschen Bergmann begriiBt worden, der den Glauben an eine Wiedervereinigung des verlorengegangenen Hauptteiles des Kohlenbeckens mit dem durch den Versailler Vertrag verbliebenen bescheidenen Rest nie verloren hat. Mit dem Übergang dieses Gebietes in eine politische Hand muB auch dem eine natiirliche geologische und wirtschaftliche Einheit bildenden groBen ostsudetischen Kohlenbecken sein ursprünglicher Name als »Oberschlesisches Steinkohlenbecken« wiedergegeben werden, der im Laufe der Zeit durch die im Schrifttum verwendeten Bezeichnungen als »oberschlesisch-máhrisch-polnisches« bzw. »máhrisctoschlesisch-westgalizisches« oder als »obersc'hlesischtschechoslowakisch-polnisches« oder sogar »polnisches« Becken verlorengegangen war. Es erscheint somit heute, da wir nach dem politischen ZusammenschluB der verschiedenen Bergbaugebiete dieses Beckens vor einem neuen Abschnitt in der Geschichte des erst zum kleinsten Teile erschlossenen und daher noch ungeahnte Möglichkeiten bergbaulicher Entwicklung bietenden Bezirkes stehen, nicht überflüssig, wieder einmal eine Übersicht über die geologischen Grundlagen des Gesamtbeckens nach dem Standé unserer heutigen Kenntnis zu gewinnen. Habén doch die Ergebnisse der in den letzten 20 Jahren erfolgten aufschluBreichen geologischen Sonderuntersuchungen in Verbindung mit den durch den Bergbau erzielten Aufschlüssen das altbekannte stratigraphischtektonische Bild des Oberschlesischen Beckens nicht unwesentlich verándert. Mitbestimmend ist auch der Umstand, daB das geologische Schrifttum über diesen Bezirk in den letzten beiden Jahrzehnten so unübersehbar geworden ist, daB es für den Nichtfachmann fast unmöglich ist, sich hindurchzufinden. DaB ein derartiger Versuch schon wegen der vielen auch heute noch nicht spruchreifen und noch zu lösenden Probleme paláogeographischer, stratigraphischer, sedimentpetrographischer und telctonischer Natúr und angesichts des zur Verfügung stehenden beschránkten Druckraumes naturgemáB nur einen Querschnitt unserer heutigen Erkenntnis bieten kann, braucht kaum betont zu werden. Wegen aller Einzelfragen sei auf das am Schlusse angeführte Verzeichnis des neueren Schrifttums verwiesen. Das Liegende des flözführenden Karbons. Da die Frage nach der Unterlage des flözführenden Karbons auch für dessen stratigraphisch-tektonische Sonderverháltnisse selbst von Bedeutung ist, ist zunáchst kurz darauf einzugehen. Wie 11. a. Patteisky (1928) dargelegt hat, bestehen die flözleeren Liegendschichten der Ostsudeten in Richtung von West nach Ost aus dem kristallinen Gebirge sowie dem quarzitischen Unter- und dem kalkigen, an Diabasgesteinen reichen Mitteldevon, Ablagerungen, die wáhrend der Zeit des Oberdevons in einer frühbretonischen Phase der variszischen Orogenese m P. Kukuk, Bochum. SW-NO streichende enge Faltén gelegt worden sind. Es folgen nach Osten in diskordanter Lagerung Schichten der sogenannten Grauwackenformation (Oberdevon, Unterkarbon und unterstes Oberkarbon). Diese Schichten, welche - soweit sie karbonisches Altér besitzen - von Patteisky (1928) wieder als Grátzer Grauwacken, Wagstádter und Hultschiner Schichten unterschieden werden, sind wáhrend eines aus WNW-Richtung vom altén verfestigten Sudetenkern ausgegaugenen jiingeren variszischen Faltungsvorganges zu meist nach Osten überkippten Faltensatteln zusammengeschoben worden. Zwischen den Schichten der Grauwackenforination herrscht eine deutliche Konkordanz bei gleicher tektonischer Ausbildung. Anclers zu beurteilen sind die erst zum Teil völlig geklárten Verháltnisse am Ostrande des Beckens. Hier legen sich im Krakauer Gebiet östlich von Kreszowice als Folge der sudetischen Phase der variszischen Orogenese die untersten Ostrauer Schichten ungleichförmig über die Ablagerungen gefalteter unterkarbonischer Schichten (mit devonischem Kern), die in der Fazies des marinen Kohlenkalkes (Tournai- u. Viséstufe) entwickelt sind (Petrascheck 1919). Gliederung, Ausbildung, Verbreitung und stratigraphische Verháltnisse der Schichten des oberschlesischen Karbons. Die am Aufbau des Oberschlesischen Beckens teilnehmenden flözführenden Ablagerungen gehören - wenigstens in ihrem unteren Teile - dem »paralischen« (meeresnahen) Typus an. In der Iiauptsache handelt es sich um zwei máchtige, stratigraphisch-petrographisch und paláontologisch gut unterscheidbare Schichtengruppen, die nach den grundlegenden álteren Darstellungen von Gaebler (1909) und Michael (1913) vom Liegenden zum Hangenden bzw. vom Rancle zur Mitte des Beckens als Randgruppe und Muldengruppe bezeichnet werden. Hierzu tritt an der Grenze beider Gruppén die wegen ihrer máchtigen und meist edel ausgebildeten Flöze für den Bergbau des Bezirkes besonders wichtige Sattelflözgruppe. Rand- und Muldengruppe werden heute in die »Binnengruppe« zusammengefaBt (Gropp 1933). Die heute geltende Hauptgliederung schlieBt die entsprechend der in den faziellen Verschiedenheiten so máchtiger und weit verbreiteter Schichtenpakete begründeten, örtlich voneinander abweichenden Ausbildung einzelner Schichtenglieder im Laufe der Zeit durch die zahlreichen Bearbeiter des oberschlesischen Karbons ausgeführten Gliederungsversuche ab, auf die hier im Rahmen einer Übersicht nicht eingegangen werden kann. Bemerkt sei nur2 daB die früher üblichen »Flözgruppen« nach den Bestimmungen der Heerlener Konferenz in »Schichten« umbezeichnet worden sind. Zur schnellen Gewinnung eines klaren Bildes habe ich die von den verschiedenen Forschern in den einzelnen Bergbaubezirken aufgestellten Untergliederungen der gesamten oberschlesischen Karbonschichten in der nachstehenden Übersicht zusammengefaBt. Kennzeichnend für die Gesaintausbildung der oberschlesischen Karbonablagerungen ist die erstmalig von Gaebler (1892) in den Sattelflözen nachgewiesene und spáter von allén Forschern (Petrascheck 1935) bestátigte Máchtigkeitsabnahme (»Schichtenverjüngung«) aller Karbonablagerungen, wenigstens aber der Rand- und