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vorwort
DIE TAT IST ÜBERALL ENTSCHEIDEND.
GOETHE
Wer aufrichtig und rückhaltlos den Bedürfnissen der eigenen Persönlichkeit gerecht zu werden trachtet, kann hiermit zugleich einer Allgemeinheit besser dienen, als wenn er sie zu belehren im Sinne gehabt hätte. Dieses Buch über Goethe habe ich recht eigentlich für mich selber geschrieben. Was von fähigen Männern schon richtig empfunden und deutlich ausgeführt worden war, brauchte ich nicht zu wiederholen; über gar manches aber hatte ich leitende Aufklärung gesucht und sie nicht gefunden. So entstand die Notlage, das Entbehrte nach dem Masse meiner Befähigung selber zu schaffen, und jetzt der Wunsch, Gleichgesinnte an dem Ergebnis dieser Bemühungen teilnehmen zu lassen.
Denn ich vermute, es mögen Andere ein ähnliches Bedürfnis empfinden. Wir können nicht tausend Jahre warten, um die Gestalt des herrlichen Mannes sich in den Umrissen ihrer ewigen Bedeutung klar von dem chaotischen Gewimmel abheben zu sehen. »Sinnlich und verstockt, ins Gegenwärtige verschlossen«: diese Riegel wollte ich aufbrechen, nein, aufschliessen, ohne Gewalt, aber auch ohne Zagen, in der Hoffnung, hierdurch wenigstens einige Ausblicke auf einen Horizont zu gewinnen, würdig eines Goethe.
Es herrscht heute die Unsitte, Goethen Worte in den Mund zu legen, die nur aus unkontrollierbaren Gesprächen überliefert sind; wo die Quelle so reich aus dem eigenen Borne fliesst, ist es unverzeihlich, zu mittelbaren Relationen zu greifen. Goethe selber bezeugt: »Es sind mir oft Geschichten erzählt worden, wie ich sollte gesagt und getan haben, und da habe ich auch nicht Eine darunter gefunden, die mich gefreut hätte, die, im Guten oder Bösen, zu meinem Vorteil oder Nachteil, in dem Sinn meiner Natur und meiner Art zu sein wäre erfunden gewesen.« Und ein anderes Mal heisst es, er »hinterlasse auf dem Papier . . . schriftlich gute Worte« für die »Gemeinschaft der Heiligen, zu der wir uns bekennen«, dagegen: »Mit den Lippen mag ich nur selten ein