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Das Gebet des Kariben
Noch war der Tag nicht angebrodien. Die Insel Martinique schlief, und um sie gebettet lag das nachtschwarze kari-bische Meer. Wie ein flüditiger Schatten verließ eine dunkle Gestalt Morne Rouge, einen Vorort von Saint Pierre, der Hafenstadt. Es war ein Mann, nodi jung an Jahren, groß, mit breiten Schultern, bekleidet mit einem Lendentuch. Er hatte den Ort vermieden, hatte ihn umgangen. Morne Rouge lag hoch über der Stadt, an den Hängen des Mont Pelé, an seine Seite gelehnt, gleichsam in seine Falten geduckt.
Noch krähte kein Hahn. Nidit einmal ein Hund hatte gebellt. Der Mann stieg hastig die Hänge empor. Rechts und links neben dem gewundenen Pfad standen ein paar prächtige Palmen, zu ihren Füßen dann und wann eine Stechfeige oder die eine oder andere Tigeragave. Felsblödce hinderten häufig den Weg. Mandimal waren sie so groß, daß der eilige Wanderer zwischen ihnen verschwand. Immer höher stieg er die Hänge hinauf. Morne Rouge lag schon tief unter ihm. Kein Baum, kein Strauch, nichts Lebendes mehr. Weit und breit nur noch braunrote, harte Lavasträhnen, von weitem anzusehen wie die harten und struppigen Haare eines Riesen, ineinander zerknetet, übereinander aufgetürmt, hart, rissig, drohend. Der Wanderer blieb stehen. Er holte tief Atem. Noch ein paar Steinwürfe weit — dann würde er am Ziel sein. Er warf einen Blick zurück, den Hang hinunter. Dort lag die