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RAPHAEL UND DIE MENSCHEN
Zur Zeit, als die Engel noch hin und wieder in Mensdien-gestalt auf Erde wandelten, kam einmal der heilige Raphael in eine deutsche Herzogsstadt. Es war in der Stadt eine neue sdiöne Kirche gebaut worden, wozu alle Leute, vom Herzogspaar bis zum Werkelmann beigetragen hatten. Da wollte sich der liebe Gott erkenntlich zeigen und sagte also: „Raphael, geh in die Stadt. Besudle dort die Menschen, ich will jedem von ihnen einen Wunsch erfüllen." Das war dem freundlichen Engel, der sdion der Reisegefährte des jungen Tobias gewesen war, ein lieber Auftrag. Er kam in die Stadt, besuchte zunächst das Herzogspaar und bradite seinen Auftrag vor. Der Herzog wußte nicht recht, wie er sidi dem Engel gegenüber verhalten sollte. Er beriet sich also mit seinem Kanzler. Dieser sagte: „Der Engel ist der Spezial-gesandte eines ausländisdien Souveräns. Also freundliche, adbtungsvolle, aber immerhin herzogliche Haltung." Diesen Rat befolgte der Herzog.
„Mein lieber Engel", sagte er gnädig, „ich will den Wunsdi, den mir euer allerhöchster Herr vorschlägt, mit meinen Ministern wohlwollend beraten und spätestens nach drei Monaten Antwort geben."
„Das ist eine zu lange Zeit", sagte Raphael. „Wenn das dritte Morgenrot aufglimmt, fahre ich heim." Tag und Nacht beriet nun der Herzog mit seinen Räten. Es waren deren zweiundsiebzig. So kamen einundsiebzig Vorschläge zustande. Zwei Räte hatten sich auf denselben Vorschlag geeinigt, und dieser wurde also zum Beschluß erhoben. „Der Herzog will Großherzog werden. Auch sollen die Amtsmannsdiaften Wiesenhuben und Kreidelfingen, um die mit dem Nachbarstaat ein Prozeß geht, zum Großherzogtum gesdilagen werden."
»Das ist nidit ein Wunsch, das sind zwei Wünsche", sagte
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