Bővebb ismertető
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Christoph Wagner
Von Schloß zu Schloß
Die Mitglieder der Gruppe der Schloßhotels und Herrenhäuser mögen mir verzeihen, daß ich diesen Essay mit einem Schloß beginne, das Sie in diesem Gotha vergeblich suchen werden. Es handelt sich jedoch keineswegs um einen Konkurrenzbetrieb, man kann dort weder essen noch schlafen. Und dennoch eignet es sich hervorragend, um zu erklären, worum es in den folgenden Zeilen gehen soll.
Die Rede ist von Maria Stein, einem im 14. Jahrhundert von den Frunds-bergern auf einem Felsen über der Tiroler Stadt Schwaz errichteten Wohnturm, der heutzutage wegen seiner wertvollen Burgkapelle eher als Wallfahrtsort denn als Schloß bekannt ist.
Obwohl es sich bei diesem Turm lediglich um eine Art von Rumpfschloß handelt, belegt er doch sehr klar, wie stark das Weltbild vergangener Generationen in der Schloßbauweise verwurzelt ist. Der Turm pendelt, gewissermaßen die Menschheit selbst darstellend, zwischen Himmel und Hölle. Die Hölle stellt der Kerker, das finstere Kellerloch, dar. Darüber liegen die Waffenkammern, Sinnbild des täglichen Kampfes um Freiheit und Unabhängigkeit. Ein Stockwerk höher sind die Wohnräume mit der Schloßküche untergebracht, einer winzigen Einmannküche in den Dimensionen einer Mauerbreite, zu der auch ein Abtritt in der Wandöffnung zählt. Dieser Bereich symbolisiert alles Irdische, das Bedürfnis zu essen, zu wohnen und miteinander zu kommunizieren. Steigt man die Treppe noch weiter hinauf, so gelangt man in den Rittersaal, in dem die Privatheit der Gemächer in die Öffentlichkeit über-
geht, man könnte auch sagen, der Saal repräsentiert das Gemeinschaftliche, das „Erhabene" im Menschen. Und schließlich thront über allen Lebensbereichen und allen Ständen - im obersten Stockwerk - Gott selbst in einer Kapelle, die sozusagen den himmlischen Widerpart zur Hölle des Burgverlieses bildet. Maria Stein ist nur eines, wenn auch ein besonders sinnfälliges unter vielen Beispielen, die allesamt bezeugen, daß man Burgen und Schlösser ursprünglich nicht nur als aristokratische Wohnhäuser betrachtet hat, sondern als Stein gewordene Mikrokosmen, in denen sich das gesamte Universum widerspiegelte. Genau das ist der Grund, warum man in den Schloßhotels von heute etwas findet, das vielen anderen Hotels fehlt, nämlich Persönlichkeit und Atmosphäre. Manchmal mögen neuzeitliche Bettensilos an Komfort vielleicht dem ein oder anderen Haus sogar überlegen sein, eines wird man
von einem Schloßhotel jedoch niemals behaupten können: das es steril, belanglos oder einem anderen Betrieb zumVerwechseln ähnlich sei. Kurzum: Wer es schätzt, seinen Lichtschalter in Wien an der nämlichen Stelle zu finden wie in Hongkong oder San Francisco, der sollte lieber auf andere Hotelgruppen ausweichen.
Gewiß hat sich in der Welt österreichischer Burgen und Schlösser gegenüber dem geordneten, strengen Weltbild, das Maria Stein auszeichnet, in den letzten Jahrhunderten, vor allem aber Jahrzehnten, allerlei geändert. Ich werde versuchen, einiges davon, was mir während einer rund einjährigen Reise zu den im Gotha angeführten Schloßhotels an Bemerkenswerten aufgefallen ist, zusammenzufassen.