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DAS CHRISTLICHE MUSEUM
die bedeutendste Provinzkunstsammlung Ungarns, eines der reichsten Museen Bildender Kunst in Ungarn, blickt auf eine fast hundertjährige Vergangenheit zurück. Sein internationaler Ruf, sein kunstgeschichtlicher Rang sowie, sein für ein Provinzialmuseum ungewohnter Reichtum an qualitätvollen Werken ist der opferwilligen, systematischen Sammlertätigkeit des Fürstprimas Erzbishof János Simor (1813-1891) und des Bischofs Arnold Ipolyi (1823-1886) zu danken.
Hauptziel des Sammeins war bei beiden Kirchenfürsten die Rettung rasch verschwindender, unersetzlicher Werke, die zugleich wertvolle Dokumente der nationalen Vergangenheit des Landes darstellten. Durch die Verheerungen der Türkenzeit und in den darauf folgenden Jahrhunderten blieben nur wenige Kunstwerke erhalten. Diesen beiden Sammlern des XIX. Jahrhunderts, dem opferbereiten Interesse Simors und dem leidenschaftlichen Sammeleifer Ipolyi's ist es zu verdanken, dass die vielleicht wertvollsten Stücke mittelalterlicher Tafelmalerei Ungarns der Vergessenheit und der Vernichtung entrissen wurden. Beider Sammler Verdienst ist, dass in den Räumen des Christlichen Museums die erste Nationalgalerie der altungarischen Malerei entstehen konnte. Zuerst verschaffte Simor seiner Privatsammlung im Gebäude der 1853 errichteten Metropolitanbibliothek Platz; hier wurde die Sammlung am 12. Oktober 1875 eröffnet. Im Jahre 1882 erhielt sie dann ihr Heim im zweiten Stock der im eklektischen Stil erbauten erzbischöflichen Residenz. Erzbischof Simor hinterliess seine Sammlung unter dem Namen „Christliches Museum" seiner Metropoli-tankirche.
Neben dem Sammeln von Denkmälern alter ungarischer kirchlicher Kunst kaufte er auch ausserhalb seiner Diözese, sogar im Ausland Kunstgegenstände, ähnlich wie Ipolyi. Zum glücklichsten Kauf bot die Papstwahl 1878 die beste Möglichkeit. Damals verschaffte er dem Museum 63 Werke aus der vor allem frühe italienische Tafelbilder enthaltenden Sammlung Raffaele Bertinelli. In den folgenden Jahrzenten wurde das Museum durch wertvolle, aus der Sammlung des Kölner Domkapitulars Alexander Schnütgen angekaufte, mittelalterliche Bildwerke und Textilien bereichert.
Arnold Ipolyi erwarb den grössten Teil seiner ausländischer Bilder auf den beiden Versteigerungen Ramboux in Köln und Sammlung Lemann in Wien. Der Nachlass Ipolyis gelangte Anfang der zwanziger Jahre in das Christliche Museum. Diese Vermehrung steigerte die internationale Bedeutung des Museums; durch diese Sammlung von wertvollen Textilien, Goldschmiedearbeiten und von Habaner Keramik, von mittelalterlichen Bildwerken' und von ganzen Reihen seltener Tafelbilder vom XIII. Jahrhundert an wurde Simors ältere Sammlung in glücklichster Weise ergänzt. Heute ist das Christliche Museum in Esztergom als die staatlich geschützte grösste Privatsammlung Ungarns ein mit staatlicher Beihilfe tätiges kirchliches Museum. Sein ständiger Ort ist seit neunzig Jahren unverändert der von dem Architekten Josef Lippert (1826—1902) entworfene Erzbischöfliche Palast am Ufer der Donau.
Unser Führer leitet durch die wertvollsten, zum grössten Teil den Sammlungen Simor und Ipolyi entstammenden frühen Tafelbilder. Soweit möglich, geben sie in der Reihenfolge der ständigen Ausstellung einen Überblick über die bedeutendsten Werke des Museums, dazu auch über die hier vertretenen ungari-