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Vorwort
Der 1982 erschienene Band Der kommende Gott war im Untertitel, etwas versteckt, als erster Teil von »Vorlesungen über die Neue Mythologie« ausgewiesen. Aufmerksame und neugierige Leser fragten mich aber bald und zunehmend dringender nach dem (auf S. 31) in Aussicht gestellten zweiten Teil, der die »Wiederkehr des Dionysos im späten 19. und im vorfaschistischen 20. Jahrhundert« hätte behandeln sollen.
Hier Hegt er nun vor. Die seit dem Erscheinen des ersten Teils verstrichene Zeit spiegelt mein Zögern, nicht meine Trägheit; denn die hier präsentierte Fortsetzung des Kommenden Gottes hatte ich im Düsseldorfer Sommersemester 1981 tatsächlich als Vorlesung vorgetragen. Mein Zögern erklärt sich aus der Unabsehbarkeit der aufzuarbeitenden Quellen, die, je näher sie an unserer Epoche liegen, desto trübere Farben annehmen. Insbesondere hatte ich das Gefühl, die nationalsozialistische Mythen-Renaissance nur punktuell und ohne Repräsentations-Anspruch in die Breite behandelt zu haben. Der seit meiner Berufung nach Genf (bzw. Tübingen) erfolgte Fachwechsel von der Germanistik zur Philosophie benahm mich endlich der Bequemlichkeit, diese Forschung im Rahmen meiner laufenden Lehrverpflichtungen nachholen zu können. Und hätten nicht meine Kollegen Rolf Kauffeldt und Gerhard Plumpe mit Elan und Fleiß die Auffüllung zweier wichtiger Lücken in meinem Vorlesungsmanuskript zu besorgen unternommen, so hätte ich die Fortsetzung noch länger liegen lassen oder aufgegeben. So freihch erhält die einseitig nazistische Mythenrezeption ihr überraschendes Gegengewicht in derjenigen durch Gustav Landauer und seine anarchistischen Gesinnungsgenossen; und meine Äußerungen über George werden vertieft und gestützt durch Informationen über Schuler und den Kreis um die »Kosmische Runde«.
Das mindert nicht das Bewußtsein, hier etwas vorzulegen, das in viele Richtungen nach Ergänzung und Vertiefung verlangt. Irgendwo muß freilich angefangen werden; und alle Forschung, sie sei noch so intensiv, wird von einem »Keimentschluß« in Gang gebracht, den Sitzfleisch und Kenntnis-in-die-Breite nicht ersetzen können. Originell innerhalb des modisch gewordenen (häufig