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ERSTES BUCH
Das Telefon läutete.
Ich fuhr im Bett hoch und tastete in der Dunkelheit nach dem Schalter der Nachttischlampe. Es wa'- nicht mein Bett, und es war nicht mein Zimmer, und deshalb fand ich den Schalter nicht. Das Leuchtzifferblatt einer kleinen Uhr zeigte die Zeit: genau fünf. Wieder läutete das Telefon, und wieder. Sibylle hörte es nicht. Ruhig und gleichmäßig atmete sie weiter, als ich mich jetzt über sie neigte. Wir hatten im gleichen Bett geschlafen, eng aneinander, sie in meinem Arm. Meine rechte Hand, auf der vergeblichen Suche nach dem Lichtschalter, fand den Telefonhörer. »Hallo .« Ich räusperte mich, denn meine Kehle war verlegt, und ich konnte kaum sprechen.
»Ist dort 87 13 48?« Die Stimme der jungen Frau vom Amt klang frisch und fröhlich.
»Ja«, sagte ich. Jetzt bewegte sidi Sibylle. Sie seufzte lange.
»Sind Sie Herr Holland?«
»Ja«, antwortete ich zum zweitenmal.
»Sie haben uns einen Weckauftrag gegeben«, sagte die Frauenstimme. »Es ist genau fünf Uhr. Wir wünschen Ihnen einen guten Morgen, Herr Holland!« »Danke.«
Ich legte den Hörer vorsichtig in die Gabel und ließ mich wieder auf den RücJcen sinken. Weit entfernt klang Flugzeugmotorenlärm auf. Ich lag ganz still und sah in die Finsternis hinein und wartete darauf, daß der Lärm lauter wurde. Dieses Geräusch beunruhigte mich immer wieder. Sibylle hörte es gewiß gar nicht mehr, sie lebte schon zu lange in Berlin. Aber für mich war dieses Brausen, das in der Tat nun anschwoll und lauter und lauter wurde, so etwas wie eine beständige Mahnung, eine unsagbare Drohung, und es erfüllte mich mit Traurigkeit. Die Scheiben des Fensters klirrten ein wenig, als die schwere viermotorige Maschine über das Haus hinwegbrauste. Die Tage in Berlin waren wieder einmal vorüber. Ich mußte fort. Nichts war von Dauer. Nicht die Trauer,