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Vorspiel
Im großen Krankensaal des Missionshospitals, einem weißen, langgestreckten Raum, standen zwei Reihen genau ausgeriditeter Betten. Vor wenigen Monaten noch war ihre Zahl unzureichend gewesen, jetzt aber war nur die Hälfte davon belegt. Die Bevölkerung hatte das Vertrauen zum Hospital verloren, und nur noch wenige Kranke ließen sich aufnehmen.
Vor dem Mittelgang stand der Arbeitstisch der Schwester; die Tischlampe mit dem grünen Sdiirm war die einzige Lichtquelle im ganzen Raum. Dort saß Anne Scott und erklärte einer jungen chinesischen Lernschwester geduldig die Eigenschaften einiger Arzneimittel. Sie hatte darin so viel Übung, daß sie sich gar nicht zu konzentrieren brauchte — sie wäre an diesem Abend auch nicht dazu fähig gewesen.
Es war eine der stillen Nächte. Die Patienten lagen ruhig in ihren Betten, keiner jammerte oder stöhnte, und niemand schnarchte. Es lag eine bleierne Ruhe über dem Saal, die Anne als drückend empfand. Die Wasserkaraffe auf dem Tisch wirkte wie ein Prisma und zerlegte das Licht in die Farben des Regenbogens, gleidizeitig aber auch wie ein Spiegel, der ihr eigenes Bild mehrfach in zwergenhafter Verkleinerung wiedergab. Ein Dutzend winziger Anne Scotts blickte sie an, alle braunhaarig und korrekt, sehr tüchtig und ein wenig langweilig. Sie betrachtete ihre Spiegelbilder, während sie leise mit der respektvoll zuhörenden Lernschwester sprach. Natürlich, warum sollte nicht ein Dutzend Annes zu sehen sein — bestand sie denn nicht wirklich aus vielen verschiedenen Geschöpfen? Sie war sdiüditern, aber auch standhaft und tapfer, zugleich unaufrichtig und ehrlich, Realistin