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Auf ein Wort unter uns
Liebe Mitbrüder,
liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Verkündigung und Liturgie,
wenn wir Patres des Mainzer Oblatenklosters von Sonntagsaushilfen zurückkommen, dann haben wir uns viel zu erzählen, was wir unterwegs und in den Pfarreien erlebt haben - Erfreuliches, Merkwürdiges und manchmal auch Unerfreuliches. Sage niemand, die Gottesdienste verliefen überall nach demselben Schema!
Es ist ein Vertrauensbeweis, wenn ein Pfarrer einen fremden Priester bittet, ihn am Sonntag zu vertreten. Denn der Vertreter bekommt Einblick in das »Innenleben« einer Gemeinde. Er tut gut daran, eine Viertelstunde vorher in der Sakristei zu sein. Denn man hat etliche Fragen an ihn: «Herr Pater, wollen Sie ein Messgewand oder eine Albe mit Stola? Singen Sie das Kyrie vor? Welche Lesung ist heute dran? Haben Sie Fürbitten mitgebracht? Verwenden Sie Weihrauch?« usw. Auch wird der fremde Priester informiert, wann die Kinder aus dem Kinderwortgottesdienst in die Kirche kommen und wie sie zu empfangen sind. Welche Fragen dem Gastpriester gestellt werden und in welchem Ton, das verrät ihm einiges über die Art und Weise, wie der Pfarrer mit seinen Leuten umzugehen pflegt, was ihm wichtig ist und was nicht.
Nicht alles, was der Zelebrant wissen sollte, lässt sich vor der Messe klären. Das merkt er dann, wenn ihn während der Messe die Ministranten oder der Organist oder die Kommunionhelfer/innen irritiert anschauen. Dann hat er bestimmt etwas gemacht, was dort unbekannt ist, z.B. dass er sich nach der Predigt einen Moment hinsetzt oder dass er als erster kommuniziert.
Erfahrene Küster/innen ahnen, was ein fremder Priester nicht weiß, aber wissen sollte, und informieren ihn vorsorglich darüber. In einigen Sakristeien liegt ein Blatt aus, auf dem der Pfarrer die örtlichen Bräuche beschreibt. Für beides bin ich dankbar und empfinde es nicht als Bevormundung, wobei auch hier gilt: Der Ton macht die Musik.
Es gibt Gemeinden, für die dies alles belanglos ist, weil keine fremden Priester aushelfen kommen. Manche haben es nicht nötig, da genügend Priester am Ort sind, und manche halten bei Abwesenheit des Pfarrers einen priesterlosen Wortgottesdienst. Respekt vor den Gemeinden, die sich am Sonntag auch ohne Priester zum Gottesdienst versammeln! Das wird in Zukunft immer häufiger geschehen müssen. Doch bitte ohne den Kommentar, den ich gelegentlich höre: »Wir brauchen keine Priester, die von auswärts eingeflogen werden«. Das hieße zu schnodderig über einen Dienst reden, den viele Priester bereitwillig und gewissenhaft ausüben.
Mit freundlichen Grüßen
Ihr
P. Rainer Rack OMI